25.000 Beschäftigte aus dem Kreis pendeln jeden Tag zur Arbeit

Immer mehr Arbeitnehmer aus dem Landkreis arbeiten fern ihres Wohnorts. 25.000 Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis verließen im vergangenen Jahr die Kreisgrenze, um zur Arbeit zu gelangen.

Das sind 19 Prozent mehr als im Jahr 2000. 

Die Problematik im Werra-Meißner-Kreis ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten 2018 39 Prozent aller Beschäftigten in eine andere Stadt oder Kreis zur Arbeit. Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Groß- und Unistädten. Aber genau dort sind die meisten Jobs vorhanden, teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit. Die Folge seien immer längere Staus, überfüllte Züge und eine erhöhte Belastung der Umwelt durch CO2-Emissionen.

Henrik StöberBerufspendler

Dass beim Pendeln auch Lebenszeit im Stau verloren geht, weiß auch Henrik Stöber aus Waldkappel. Er fährt seit 19 Jahren weite Strecken mit dem Auto zur Arbeit. Seit zwei Jahren führt sein Arbeitsweg ihn jeden Tag in die Bundeswehrkaserne nach Erfurt. „Mein Lebensmittelpunkt, meine Familie, Kinder, Freunde sind in meiner Heimat Waldkappel. Dafür nehme ich den weiten Weg gerne in Kauf“, sagt Stöber. Der dreifache Familienvater verbringt jeden Tag drei Stunden im Auto, legt 230 Kilometer am Tag zurück und zirka 40 000 Kilometer im Jahr. Doch in Richtung seines Arbeitsplatzes umzuziehen, kommt für ihn nicht in Frage. Stöber wisse nicht, wie lange er in Erfurt arbeite und wohin er danach versetzt werde. Dazu käme, dass er ein Haus gebaut habe in seinem Heimatort. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Erfurt zu gelangen sei schwierig. „Ich müsste abends mit dem Zug losfahren, damit ich morgens um 7 Uhr an der Arbeit bin“, erklärt Stöber.

Dass Investitionen im Bereich Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar sind, um Pendler zu entlasten, erklärt auch die IG Bau. Einen entscheidenden Beitrag könnten nach ihren Angaben Firmen leisten, indem sie es ihren Beschäftigten leichter machten, in Gleitzeit oder Homeoffice zu arbeiten.

Pendlerpauschale

Mit der Pendlerpauschale wird die Aufwendung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle pauschalisiert. Diese mindert die zu versteuernden Einkünfte und beträgt 30 Cent pro Kilometer. Die Pauschale kann von allen Arbeitnehmern oder Selbstständigen in Anspruch genommen werden, unabhängig von der Höhe der Aufwendungen und gleichgültig, ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto zur Arbeitsstelle gelangen. 

Von Carolin Eberth

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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