48-jähriger Witzenhäuser muss hinter Gitter

Eschwege / Witzenhausen. Am Dienstagnachmittag wurde ein Mann aus Witzenhausen wegen Beihilfe zum Einbruchsdiebstahl und Schwarzfahrten mit der Bahn zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Das Flehen um Gnade nutzte nichts. Die konnte, wollte und durfte das Schöffengericht in Eschwege wohl nicht gewähren. Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort unter Tränen gebettelt. Aber bei mehr als 20 Straftaten, derentwegen der Hartz-IV-Empfänger bereits verurteilt worden war, sind dann wohl auch dem gutmütigsten Richter die Hände gebunden.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte es bei den 18 Monaten Gefängnis nicht bleiben. Denn bei den ihm zur Last gelegten Taten stand der Mann unter Bewährung, die nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Dr. Alexander Wachter mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgehoben wird. Aus den anderthalb könnten dann locker zweieinhalb Jahre und mehr werden. Und genau das kreidete das Gericht dem geständigen Angeklagten strafverschärfend an, der wiederholt freimütig zugab, alkoholabhängig zu sein.

Und der Alkohol spielte auch eine Rolle, als der Vater von zwölf Kindern im August 2008 seine Nichte in Nürnberg besuchte. In einer Tankstelle will er sich am Tattag eine Flasche Hochprozentiges besorgt und einverleibt haben. Noch auf dem Gelände des Sprit-Verkäufers sei er von zwei unbekannten Männern - „Polen oder Russen“ - angesprochen und gefragt worden, ob er sich ein bisschen Geld verdienen wolle. Weil er klamm gewesen sei und Bares für den Schnapsnachschub benötigt habe, sei er den Beiden zu einem Einfamilienhaus gefolgt, das er selbst „nie betreten“ habe. Fest steht: In das Haus wurde eingebrochen. Schmuck im Wert von 20.000 Euro und über 800 Euro in bar waren die Beute. Sein einziger Beitrag sei gewesen, den Rollladen anzuheben und mit Stöckchen im Rahmen zu fixieren, bevor das Duo das Fenster aufgehebelt habe und so in das Haus eingedrungen sei.

Das "Schmierestehen" sei ihm „mit 100 oder 120 Euro“ honoriert worden. Anschließend hätten seine Begleiter am Bahnhof in Nürnberg den Schmuck an einen dritten, ihm ebenfalls unbekannten Mann verscherbelt, woraufhin er nochmals einen Betrag „von hundert bis zweihundert Euro“ erhalten habe. Weil er betrunken gewesen sei, könne er sich so genau an die tatsächliche Summe nicht mehr erinnern.

Ob es die Unbekannten wirklich gegeben hat, blieb auch in der Hauptverhandlung offen. Fest steht nur, dass am Tatort DNA-Spuren allein des Angeklagten gesichert wurden, nämlich an besagtem Rollladen, aber nicht im Haus. Deshalb konnte das Gericht die Einlassungen des 48-Jährigen nicht widerlegen und ging im Zweifel von einer Beihilfe zum Einbruchsdienstahl aus.

Die vier Schwarzfahrten mit der Bahn resultieren aus dem Jahr 2011. An einem Tag stieg der Witzenhäuser gleich dreimal ohne Fahrkarte in den Zug und wurde jedes Mal erwischt.

Trotz erheblicher Verdachtsmomente konnte das Gericht nicht beweisen, dass der Angeklagte auch für einen Diebstahl in der VR-Bank in Witzenhausen Ende Mai vorigen Jahres verantwortlich gewesen ist. Dort hatte eine 70-jährige Rentnerin 650 Euro über den Geldautomaten abheben wollen, im Kundengedränge aber vergessen, die Scheine aus dem Schacht zu nehmen. Nächster Kunde am selben Automaten war der 48-Jährige, der allerdings bestritt, das fremde Geld an sich genommen zu haben. Dieses Verfahren wurde deshalb eingestellt.

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