Geliebt, befreit und engagiert

500 Jahre Reformation: Viele Feierlichkeiten im Altkreis Eschwege

Zentraler Gottesdienst. Zu dem besonderen Gottesdienst anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums strömten zahlreiche Gläubige aus den Kirchengemeinden im Kirchenkreis Eschwege auf den Marktplatz. Dekan Dr. Martin Arnold (kleines Foto) begrüßte die über 1000 Gläubigen. Fotos: Kaiser

Eschwege/Sontra. Vor genau 500 Jahren schlug Luther seine 95 Thesen an die Kirche in Wittenberg und erklärte den Menschen Gottes Liebe. Seine Revolution fasste schnell Fuß und sein Gedanke wurde verbreitet. Das wurde am Reformationstag im Kreisteil Eschwege ordentlich gefeiert. 

Die Church-Night

Der Start in das Reformationsjubiläum begann schon am Montag: Kreativworkshops, ein Konzert und ein Auftritt einer Hip-Hop-Tanzgruppe – dass Kirche auf keinen Fall langweilig ist, bewies die Church-Night, an der über 100 Jugendliche aus dem Kreis teilnahmen. Los ging es am Montagabend um 18.30 Uhr mit einem unterhaltsamen Programm.

„Ich habe noch nie so viele Jugendliche in einer Kirche gesehen“, freute sich Elisabeth Sawosch vom Organisatorenteam der Jugendarbeit Kirchenkreis Eschwege. Vor dem gemeinsamen Gottesdienst heizte die Hip-Hop-Tanzgruppe New Generation aus Eschwege den Jugendlichen in der Kreuzkirche ein. Alle unterstützten sie durch tatkräftiges Klatschen und Mittanzen. Dann spielte die Band Crosses Brot, die viele Konfirmanden schon vom diesjährigen Konficamp kannten, einige Songs.

Im Anschluss an den gemeinsamen Gottesdienst ging es mit dem Smartphone auf die Suche nach den Spuren Luthers. Eingeteilt in Gruppen konnten die Jugendlichen an zwölf Stationen den Gedanken der Reformation erleben und Luthers Leben erkunden.

„Ich habe noch nie so viele Jugendliche in einer Kirche gesehen.“

Elisabeth Sawosch Jugenddiakonin

In den Kreativworkshops wurden Taschen bemalt, Buttons gebastelt und auch eine Fotobox stand bereit. Gefeiert wurde dann noch einmal zu Crosses Brot, die eine Stunde lang für die Jugendlichen in der Kreuzkirche spielten. Wer wollte, konnte im Anschluss an den spaßigen Abend in der Kirche übernachten.

Der Gottesdienst

Der Reformationstag stand dann ganz im Zeichen von Luthers Leben und Gedanken. „Heute feiern wir einen ganz besonderen Gottesdienst“, freute sich Dekan Dr. Martin Arnold bei seiner Begrüßung zum Gottesdienst anlässlich des Reformationsjubiläums am Dienstagmorgen.

Auf dem Eschweger Marktplatz hatten sich über 1000 Besucher aus allen Gemeinden des Kirchenkreises versammelt, um gemeinsam zu feiern und den Gedanken der Reformation zu beleben. Einige waren sogar zu Fuß nach Eschwege gepilgert, um ein Zeichen zu setzen. „Wir gehen raus, wollen uns zeigen, wollen zu unserem Glauben stehen“, meinte der Dekan. Er erinnerte auch an die Gewissheiten der Reformation, die das Motto des Gottesdienstes waren: geliebt, befreit und engagiert.

Über die Anwesenheit des Dechanten der katholischen Kirche in Eschwege, Mario Kawollek, zeigte sich Arnold begeistert. Denn diese sei ein starkes Zeichen für ein Miteinander, schließlich seien alle Menschen verbunden. Der Posaunenchor des Kirchenkreises begleitete den Festgottesdienst musikalisch und auch die Band Jazz Affairs sang gemeinsam mit den Gläubigen. Tänzer Paulo Santos brachte den Glauben und die Liebe mit einem Tanz zum Ausdruck. Pröpstin Katrin Wienold-Hocke erinnerte in ihrer Predigt an die Reformation, die sie als weltweite Bewegung hin zu Gott sah. Sie sprach mit drei engagierten Menschen des Kirchenkreises, wie diese den Glauben in ihrem Alltag erleben und wie er ihnen Selbstvertrauen schenkt. 

Das Musical

Auch die Kinder der evangelischen Kirche Sontra gedachten am Dienstag Luther und spielten anlässlich des Reformationsjubiläums ein Musical. Dieses zeigte Martin Luthers Aufenthalt auf der Wartburg, wo er getarnt als Junker Jörg die Bibel ins Deutsche übersetzte. Ganz vertieft in seine Bücher geisterte er durch die Burg, was die jungen Burgfräulein auf den Plan rief. Diese entdeckten sein Geheimnis schließlich und halfen ihm bei seiner Übersetzung. Auch vor Themen wie der Armut des Küchenjungen und der Verfolgung Luthers machte das kritische Musical nicht halt. 

Das Singspiel

Historisch wurde es zum Abschluss des festlichen Tages im Eschweger E-Werk. Hier zeigte das Musiktheater Dingo ein historisches Singspiel, welches das Leben des Reformators in den Mittelpunkt stellte. Alles begann mit dem alles verändernden Gewittersturm, in dem Luther gelobte, Mönch zu werden. Nach dem Eintritt in das Kloster hatte dieser jedoch starke Selbstzweifel und vor allem Zweifel an den Machenschaften der Kirche mit dem Ablasshandel.

Das Singspiel kehrte Luthers Seelenleben und die ihn beschäftigenden Gedanken nach außen und machte sie den Gästen gekonnt sichtbar. Abgerundet wurde die Darbietung mit altertümlicher Musik, die das Publikum vollends mit in die Welt vor 500 Jahren entführte.

Von Selina Kaiser

500 Jahre Reformation: Zahlreiche Veranstaltungen im Altkreis Eschwege

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare