Fanfarenzug Eschwege 

52 Jahre ein Blauweißer: Udo Burtschik ist Landsknecht mit Herz und Seele 

Zeitreise: Das Foto auf dem Landsknechtshemd zeigt Udo Burtschik bei seiner ersten Teilnahme am Johannisfestumzug 1968. 50 weitere Male ohne Unterbrechung sollten folgen.
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Zeitreise: Das Foto auf dem Landsknechtshemd zeigt Udo Burtschik bei seiner ersten Teilnahme am Johannisfestumzug 1968. 50 weitere Male ohne Unterbrechung sollten folgen.

Wenn Udo Burtschik von „seinem“ Fanfarenzug Eschwege 1956 spricht, dann ist zu spüren, wie er sich mit Verein und Musik identifiziert. Ein Porträt. 

Burtschik ist ein Landsknecht in den traditionell blau-weißen Farben mit Herz und Seele - und das über den langen Zeitraum von 52 Jahren. Allein seine Eckdaten lassen eine Vielfalt von Engagement erkennen. Er ist Mitglied seit 1968 und hat 2018 ununterbrochen 50-mal beim Umzug am Johannisfest mit seiner Fanfare teilgenommen. 

1974 wurde er als 16-Jähriger ins kalte Wasser geworfen: „Beim Rosenmontagszug in Aachen war unser Stabführer erkrankt und ich wurde kurzerhand gebeten unseren Fanfarenzug anzuführen. 

Und mit der Unterbrechung zwischen 1982 und 1984 habe ich dieses Amt dann von 1978 bis 1999 ausgeübt“, schwärmt Udo Burtschik beim WR-Gespräch noch heute von seiner verantwortungsvollen Aufgabe, die er in Personalunion von 1989 bis 1996 noch um das Amt des ersten Kassierers ergänzte.

Unglück beim Rosenmontagsumzug 2003 in Mainz

Eine dunkle Wolke schwebte aber auch über seiner Musikerlaufbahn. Beim Rosenmontagsumzug im Jahre 2003 in Mainz, wieder einmal war er als Stabführer eingesprungen, hatte er einen Herzinfarkt erlitten. „Zum Glück haben mich verantwortungsbewusste Zuschauer zu einem in unmittelbarer Nähe stehenden Rettungswagen gebracht.“ 

Dank der schnellen Hilfe und zwei gesetzten Stents konnte er die Mainzer Uni-Klinik nach nur einer Woche wieder verlassen. Anschließend bekam Udo Burtschik viele Genesungswünsche und Grüße in Form von Fleurop-Blumen, die ihn aus Eschwege erreichten.

1968 stand erstmals das Münchner Oktoberfest auf dem Spielplan: „Diese Traditionsveranstaltung hat uns später ganz viele Türen geöffnet und unseren Bekanntheitsgrad erweitert, der uns viele Einladungen bescherte.“ 

Ständchen im belgischen Gefängnis und im Vatikan

1980, 1981 und 1984 ging es nach Gent-Drongen, wo sie sogar in einem Gefängnis gespielt haben und einmal auf der Heimfahrt in Brüssel das Atomium und Männeken Pis besichtigt haben, zum Pferdemarkt zog es sie 1981 nach Hjallerup in Dänemark oder 2017 nach Rom in den Vatikan, wo sie im Petersdom die Segnung der Patrona Bavarie musikalisch mitgestaltet haben. 

Am Tag darauf durfte der Fanfarenzug am ergreifenden Festzug teilnehmen, der von der Engelsburg zum Vatikan führte.

Natürlich durften auch Reisen in die Eschweger Partnerstadt Saint-Mandé nicht fehlen: „1999 haben wir das zehnjährige Bestehen umrahmt und die Besichtigung des Eiffelturms ins Programm mit aufgenommen. 

Auftritt beim Bundesligaspiel des FC Bayern München

Zehn Jahre später, zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft, fand die fünfte Kommunale Olympiade statt und der Bürgermeister von Saint-Mandé hat uns um einen Auftritt auf dem weltbekannten Trocadero-Platz gebeten.“ Zwei Gastspiele beim Oktoberfest bleiben ihm in besonderer Erinnerung. 1972 durften sie das olympische Dorf besichtigen, was nach dem Anschlag der Terrorgruppe „Schwarzer September“ bei uns für Gänsehaut sorgte. 

„Da war 1981 unser Auftritt beim Bundesligaspiel des FC Bayern gegen Kaiserslautern im Olympia-Stadion doch sehr viel angenehmer“, schwärmt der Energieanlagen-Elektroniker noch immer, auch, „weil wir in großen Buchstaben auf der riesigen Anzeigetafel angekündigt wurden.“

Den Auftritt beim ZDF-Sonntagskonzert 1997 bezeichnet der 62-Jährige ebenfalls als herausragendes Ereignis, genau wie das Mitwirken an der Schallplatte mit mehreren Eschweger Musikformationen. Eine besondere Ehre war es 1987, G.G. Anderson und seine Ehefrau Monika nach der kirchlichen Trauung und im Beisein von Dieter Thomas Heck musikalisch von der Marktkirche zur Stadthalle zu begleiten.

"Ohne meine Frau hätte ich Pensum nicht stemmen können"

„Meiner Familie muss ich ganz besonderen Dank aussprechen, denn ohne meine Ehefrau, die bei unseren vielen Auftritten sehr oft auf mich verzichten musste, hätte ich das Pensum niemals stemmen können.“ Praktisch das ganze Jahr über stünden Gastspiele auf dem Programm. 

„Wenn wir nicht bei Festen sind, spielen wir Ständchen oder gratulieren musikalisch bei Familienfeiern“, lächelt Udo Burtschik, der von einem Full-Time-Wochenendjob spricht und weiß, dass auch unter der Woche viel Zeit für die Übungsstunden nötig sind. In seinen Dank bezieht er neben seiner Ehefrau Roswitha auch ihre Tochter und Sohn mit ein.

Udo Burtschik: "Wir sind schon gut rumgekommen"

Für den ehemaligen Stabführer ist es ein Bedürfnis auf die Orte zu blicken, wo der Fanfarenzug Eschwege 1956 immer wieder gerne gesehen und gehört wird: Neben den Festveranstaltungen im Werra-Meißner-Kreis und die Besuche der benannten Städte im Ausland zogen die Trommeln und Fanfaren aus Eschwege sehr oft zum Freimarkt nach Bremen, zu Rosenmontagszügen nach Mainz, Düsseldorf, Aachen, Offenbach, Bonn oder Wasungen, zu Schützenfesten nach Gelsenkirchen und Göttingen, zum Zissel nach Kassel, zum Lullusfest nach Hersfeld oder zum Pichelsteinerfest nach Regen. 

Einen hohen Stellenwert nehmen auch die beiden Konzerte vor dem Reichstag in Berlin 1982 und 1984 bei Udo Burtschik ein. „Wir sind schon gut rumgekommen.“

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