Sondersitzung einberufen: Kreis zahlt 591.000 Euro an Architekten für hinfälligen Entwurf des neuen Verwaltungssitzes

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Baulücke statt neuer Verwaltungssitz: Der Streit um die Kosten für den Bau den neuen Kreishauses blockieren Projekt langfristig. 

Der Werra-Meißner-Kreis zahlte dem Berliner Architekten Karl Hufnagel nach eigenen Angaben 591.000 Euro, 70.000 Euro davon sind Ausfallentschädigung, der Rest Honorare. 

Eschwege – Der Werra-Meißner-Kreis zahlte dem Berliner Architekten Karl Hufnagel nach eigenen Angaben 591 000 Euro,  70.000 Euro davon sind Ausfallentschädigung, der Rest Honorare, nachdem der Kreis den Vertrag mit dem Planer gekündigt hatte. Das erklärte Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann am Montag während einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Finanzausschusses und widersprach damit einer Darstellung des Architekten, der erklärt hatte, 800 000 Euro vom Kreis erhalten zu haben.

Kreis kündigt Architekt Vertrag

Hufnagel plante den Verwaltungsneubau des Kreises. Nachdem die Kosten explodierten und Verhandlungen über Einsparungen scheiterten, kündigte der Kreis den Vertrag mit dem Berliner Unternehmen. Im ungünstigsten Fall, so Dr. Wallmann gestern, könnten sich die Ausfallhonorare auf insgesamt fast 450 000 Euro summieren – dann allerdings für alle an dem Projekt beteiligten Architekten und Ingenieure. Hufnagel sei allerdings der einzige Planer, mit dem die Zusammenarbeit beendet wurde. Offenbar will sich der Berliner Architekt mit den bisherigen Zahlungen des Kreises nicht zufriedengeben. Er geht von etwa 90 Prozent bereits erbrachter Leistungen aus, der Kreis rechnet vor, lediglich 65 Prozent erhalten zu haben.

Neue Pläne mit vielen Unbekannten 

Bernhard Gassmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag, geht von weit höheren Summen aus. Er rechnet mit bis zu einer Million Euro „für Planungen, die nicht verwendet werden können“. Gassmann: „Es wäre besser gewesen, bei der ursprünglichen Planung zu bleiben.“ Die neuen Entwürfe seien abgespeckt und mit vielen Unbekannten.

Architekt: 90 Prozent Leistung erbracht

In einem Schreiben an die Mitglieder und Fraktionen des Kreistages, das Hufnagel nach einer Anfrage der FWG-Fraktion formuliert hatte und das gestern während der Sitzung eintraf, äußert der Architekt Unverständnis angesichts der Vertragskündigung: „Bei einem bereits erbrachten Planungsstand von circa 90 Prozent und dynamisch steigenden Baupreisen von fünf Prozent und mehr per annum sind Einsparungen durch einen Projektstopp und zeitaufwendige Umplanungen nicht plausibel darstellbar.“ Dem Kreis wirft er den Versuch vor, mit der Kündigung „faktisch unseren Entwurf und unser auch für Teilaspekte geltendes Urheberrecht zu unterlaufen“.

Hufnagel beteuert die Bereitschaft zu kosteneinsparenden Änderungen – aus Sicht des Kreises mit nicht ausreichendem Volumen.

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