Gastgewerbe besonders betroffen

Angestellte aus dem Kreis haben im vergangenen Jahr 669.000 unbezahlte Überstunden geleistet

Die Beschäftigten im Werra-Meißner-Kreis haben im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Überstunden geleistet. 669 000 dieser zusätzlichen Arbeitsstunden waren unbezahlt. 

Das geht aus dem Überstunden-Monitor hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erstellt hat. Laut dieser Aufstellung haben alle Beschäftigten den Unternehmen im Werra-Meißner-Kreis 17 Millionen Euro „geschenkt“.

Gastgewerbe besonders betroffen

Allein in Hotels und Gaststätten leisteten die Beschäftigten im vergangenen Jahr 37 000 Überstunden. Diese Zahl hat das Pestel-Institut auf Basis des Mikrozensus berechnet: Die Wissenschaftler sind von bundesweiten Durchschnittswerten ausgegangen. Demnach waren 43 Prozent aller im Kreis geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt.

Andreas KampmannNGG-Geschäftsführer

„Von der Küchenhilfe im Hotel bis zum Kellner im Biergarten: Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen. Dabei sind 55 Prozent dieser Arbeitsplätze im Werra-Meißner-Kreis Minijobs“, sagt NGG-Geschäftsführer Andreas Kampmann. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. Bezahlt würden Überstunden also entweder gar nicht – oder schwarz. „Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen“, fordert Andreas Kampmann.

„Völlig unbestritten ist: Überstunden müssen ausgeglichen werden“, teilt Anna Homm vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Geschäftsstelle Nordhessen, auf Anfrage mit. In den mit der NGG ausgehandelten Tarifverträgen sei klar geregelt, wie viele Überstunden geleistet werden dürfen, wie sie vergütet werden und in welchem Umfang und wann Freizeitausgleich zu leisten ist.

Dehoga weist Pauschalvorwurf zurück

„Den generalisierenden Pauschalvorwurf der NGG gegen das Gastgewerbe weisen wir in aller Deutlichkeit zurück. Das ist in höchstem Maße ungerecht gegenüber der großen Mehrheit der Unternehmer, die Tag für Tag mit ihren Mitarbeitern für ihre Gäste da sind und sich korrekt verhalten.“ 

Gastgewerbe-Kampagne

Die NGG geht in Sachen Arbeitszeit in die Offensive und hat die Gastgewerbe-Kampagne #fairdient ins Leben gerufen. Denn den rund 1800 Beschäftigten im Kreis drohe – über den verlorenen Lohn bei Umsonst-Überstunden hinaus – ein weiteres Problem: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten noch flexibler zu machen. „Ziel der Arbeitgeber ist es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten“, so Kampmann

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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