BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER

Strecke windet sich durch die Region - Bau der A44 läuft trotz Pandemie weitgehend ungestört

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Die Wehretalbrücke im Licht der Morgensonne von Oetmannshausen aus gesehen: Laut der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) sind die Arbeiten an der Brücke zu 95 Prozent abgeschlossen. Im Hintergrund ist schemenhaft Reichensachsen zu erkennen.

Mit ihren Tunneln, Talbrücken und Erdbewegungen ist die A 44 das derzeit größte Bauprojekt im Werra-Meißner-Kreis. Wir blicken auf den aktuellen Stand der Arbeiten und die nächsten Bauschritte.

Werra-Meißner – Ein Länge von 70 Kilometern soll der neue A44-Abschnitt zwischen dem nordhessischen Kassel und dem Autobahndreieck Herleshausen-Wommen (A4) einmal haben. Wegen der Mittelgebirgsstruktur des Werra-Meißner-Kreises stellt vor allem das Stück zwischen den Anschlussstellen Waldkappel und Wommener Dreieck eine Herausforderung für die Bauingenieure dar: Von den rund 30 Kilometern Autobahntrasse entfallen rund sechs Kilometer auf sieben Tunnelbauwerke und 2,5 Kilometer auf acht Talbrücken.

Wie die verantwortliche Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) mitteilt, laufen in allen Abschnitten die Arbeiten an Tunneln und Großbrücken „größtenteils planmäßig“ – lediglich die Vortriebsarbeiten am Tunnel Boyneburg bei Wichmannshausen würden aktuell wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen ruhen. Die Bauabschnitte und der Stand der Arbeiten in der Übersicht:

Waldkappel-Ringgau

Die Strecke zwischen der Anschlussstelle Waldkappel und der Anschlussstelle Ringgau beträgt acht Kilometer.

Bei Reichensachsen sind die bergmännischen Arbeiten im Tunnel Trimberg abgeschlossen. Hier läuft momentan der Innenausbau an. Der Tunnel Spitzenberg bei Oetmannshausen steht laut der Deges kurz vor der Vollendung der Bergmannsarbeiten.

Die Arbeiten an der Wehretalbrücke zwischen Reichensachsen und Oetmannshausen sind zu 95 Prozent fertiggestellt, wie das Foto oben beweist.

Welche Bauarbeiten folgen in diesem Streckenabschnitt? „Als Nächstes steht der Innenausbau der Tunnel Trimberg und Spitzenberg an“, sagt Deges-Sprecherin Pia Verheyen gegenüber unserer Zeitung. In naher Zukunft werden die Arbeiten für Erd- und Streckenbau fortgesetzt.

Auf lange Sicht folgen dann die Arbeiten an der Streckenausstattung. Darunter fallen zum Beispiel die Verkehrszeichen und die Schutzeinrichtung. Letztere sollen von der Autobahn abkommende Fahrzeuge und deren Insassen sowie andere Verkehrsteilnehmer vor abkommenden Verkehrsteilnehmern schützen.

Ringgau-Sontra-West

„Der nächste Meilenstein wird der Abschluss der bergmännischen Arbeiten im Tunnel Boyneburg sein“, sagt Pia Verheyen bezüglich des rund vier Kilometer langen Abschnittes zwischen den Anschlussstellen Ringgau und Sontra-West.

Danach folge auch dort der Beginn des Innenausbaus. Dieser könnte sich allerdings verzögern: „Vorübergehend ruhen die Vortriebsarbeiten am Tunnel Boyneburg aufgrund der Auswirkungen der allgemeinen Kontaktbeschränkungen“, heißt es von der Deges.

Im Tunnel selbst sind die bergmännischen Arbeiten weit fortgeschritten. „Mit einem Durchschlag des Tunnels wird im kommenden Spätsommer gerechnet“, sagt Pia Verheyen.

Sontra-Riedmühle

Der Bauabschnitt zwischen Sontra-West und der Talbrücke Riedmühle hat eine Länge von rund acht Kilometern.

Hier werden derzeit die laufenden Arbeiten an den Brückenbauwerken durch die Täler fortgesetzt. Außerdem erfolgen laut der Deges auf dieser Strecke Vorbereitungsarbeiten, damit der Erd- und Streckenausbau für die Autobahn 44 beginnen kann.

Riedmühle-Wommen

Die Autobahnstrecke zwischen der Talbrücke Riedmühle und dem Wommener Dreieck bei Herleshausen hat eine Länge von rund neun Kilometern.

Hier gilt laut der Deges das Gleiche wie für den Abschnitt der Anschlussstellen Sontra-West und Talbrücke Riedmühle: Es wird aktuell an den Brücken gearbeitet, die Vorbereitungen für den eigentlichen Streckenbau der Autobahn 44 sind in vollem Gange.

HINTERGRUND

Über 40 Jahre Planung und eine der teuersten Autobahnen der Welt: Wenn die A 44 zwischen Kassel und Herleshausen fertig ist, wird sie nach heutigen Berechnungen 2,4 Milliarden Euro gekostet haben. Erst im Januar wurde bekannt, dass zur vormaligen Kalkulation noch einmal 600 Millionen Euro hinzukommen. Umgerechnet sind das im Schnitt 35,7 Millionen Euro für einen Autobahnkilometer – fünf- bis sechsmal mehr als normal. Ex-Verkehrsminister Günther Krause (CDU) hatte Anfang der 1990er-Jahre die Autobahn per Maßnahmengesetz durch den Bundestag gebracht. Damals wurden die Kosten noch auf unter eine Milliarde Euro geschätzt. Bereits zu Beginn gestalteten sich die Planungen schwierig: Wiederholt gab es Konflikte mit dem Naturschutz. Auch die Trassenplanung sowie ihr Bau erwies sich wegen des geologisch und topografisch schwierigen Gebietes als komplex. Die Folge: steigende Kosten. Die 70 Kilometer lange neue A 44 in Richtung Osten ist Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit. Sie soll zu einer wichtigen West-Ost-Achse in Deutschland und Europa werden. Wenn der neue Abschnitt fertig ist, wird er eine direkte Verbindung von A 40 und A 44 mit der A 4 herstellen – eine durchgehende Autobahnstrecke von der niederländischen Grenze bei Venlo bis zur polnischen Grenze bei Görlitz. Während Hessen Mobil für die Umsetzung der A 44 von Kassel bis zur Anschlussstelle Waldkappel zuständig ist, setzt die Deges die Teilstücke von Waldkappel bis zum Autobahndreieck Herleshausen-Wommen (A4) um. Bis es allerdings so weit ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen: Das letzte Teilstück der A 44 wird voraussichtlich erst 2032 fertiggestellt werden.

VON MAURICE MORTH

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