Verein organisiert sich in Nord- und Osthessen

Erst gelockt, dann abgezockt: Rentner müssen auf private Altersvorsorge noch Abgaben zahlen

Das böse Erwachen kommt erst mit dem Eintritt in die Rente. Auf die Zusätzliche Altervorsorge muss man lange Zeit noch Abgaben an die Krankenkassen zahlen. 

Viele, die sich mit Vollendung des 65. Lebensjahres darauf freuen, ihre private Altersvorsorge ausgezahlt zu bekommen, werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen aufgefordert, über zehn Jahre eine monatliche Beitragszahlung an Kranken- und Pflegeversicherung zu leisten. Das kann sich auf einige Tausend Euro summieren. Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) will zur Beratung jetzt in der Region eine Regionalgruppe gründen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Seit wann gibt es diese Regelung der „Doppelverbeitragung“?

Aufgrund eines anhaltenden Haushaltsdefizits bei den gesetzlichen Krankenkassen trotz gleichzeitig gestiegener Beitragssätze beschloss die Rot-Grüne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder 2003 eine Gesetzesänderung zur Sanierung der Kassen: das GKV-Modernisierungsgesetz. Seit 2004 können Arbeitgeber über die Form der betrieblichen Altersversorgung entscheiden und von Betriebsrentnern sowie Direktversicherten wird mit Eintritt der Rentenphase der volle Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeitrag verlangt.

Wie viele Menschen sind von der Regelung betroffen?

Laut Angaben des DVG sind deutschlandweit rund 20 Millionen Rentner von der Doppelverbeitragung betroffen. Im Werra-Meißner-Kreis sind nach Angaben des DVG etwa zehn bis 15 Prozent der Erwerbstätigen und Rentner betroffen.

Wie setzen sich die Abgaben genau zusammen?

Direktversicherte müssen nach Ablauf ihres Vertrages knapp 20 Prozent der Vorsorgebezüge abführen. 15 bis 16 Prozent entfallen auf den Krankenkassenbeitrag und rund drei Prozent auf den Pflegeversicherungsbeitrag. Freiwillig Direktversicherte müssen sowohl den Arbeitgeberanteil als auch den eigenen Arbeitnehmeranteil auf ihre Bezüge zahlen. „Die Doppelverbeitragung auf private Vorsorgebezüge bleibt für eine Laufzeit von 120 Monaten bestehen und schmälert die Auszahlungen an die Rentner immens“, sagt Ernst Liebich vom DVG in Breitenbach. Zudem müssen sie sich nicht selten auch mit geringeren Renditen ihrer Vorsorgeverträge abfinden. Verstirbt der Zahlungsempfänger innerhalb der zehnjährigen Laufzeit, sind die Erben verpflichtet, die monatliche Zahlung bis zur Vollendung des 120. Monats zu erbringen.

Sind die Abgaben auch bei Altverträgen, die vor Januar 2004 abgeschlossen wurden, zu leisten?

Auch rückwirkend wurde von der Politik eingegriffen, obwohl diese einst zu anderen Konditionen abgeschlossen wurden. Übergangsregelungen wurden nicht getroffen.

Was können Betroffene tun?

Der Interessenverband Direktversicherungsgeschädigte setzt sich für die Abschaffung der doppelten Beitragszahlung in der Anspar- und Auszahlungsphase ein und fordert die Politik zum Handeln auf. Betroffene können sich direkt an den Verein wenden. Wer privat vorsorge, müsse im Alter signifikant mehr haben als der, der dies nicht tue, argumentiert der Verein.

Gibt es eine Interessenvertretung auch in Hessen?

Der DGV plant, für September eine weitere Regionalgruppe für Nord- und Osthessen einzurichten. Hierzu ist zunächst eine Informationsveranstaltung für interessierte Betroffene geplant. Diese wird am Samstag, 24. August, für die Landkreise Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg, Fulda, Vogelsberg, Marburg-Biedenkopf und Schwalm-Eder stattfinden. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr im Seeparkhotel Kirchheim, Reimboldshäuser Str. 1, 36275 Kirchheim.

Wo kann ich mich anmelden?

Anmeldung für die Informationsveranstaltung der Direktversicherungsgeschädigten per Mail an seepark-kirchheim@dvg-ev.org sowie weitere Informationen gibt es hier

VON ANDREA KINZLER

Rubriklistenbild: © dpa

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