Sozialpädagoge Manuel Schwab gibt Antworten

Die Krankheit ADHS: Verständnis und viel Training helfen

Werra-Meißner. Was hat es mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf sich und wie ist sie zu behandeln? Dazu haben wir Sozialpädagoge Manuel Schwab befragt.

Wenn Kinder Probleme in der Schule oder im Kindergarten haben, hat das häufig eine medizinische Ursache. ADHS ist eine davon. Sie tritt bei sechs bis sieben Prozent aller Kinder auf. Was es mit dieser Krankheit auf sich hat, woran sie zu erkennen und wie sie zu behandeln ist? Dazu haben wir Manuel Schwab befragt. Er ist Sozialpädagoge im Beratungs- und Förderzentrum der Hirschbergschule in Rommerode. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Arbeiten mit Kindern, die an ADHS leiden.

Was ist die Krankheit ADHS kurz gesagt? 

Wie der Name Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung schon sagt, handelt es sich bei der Krankheit um eine im Kindesalter (sechs Jahre oder jünger) beginnende Störung von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit gepaart mit Hyperaktivität. Die Ursache ist neurologisch. Sie tritt unabhängig von sozialen Faktoren auf. Jungen sind sechsmal öfter betroffen als Mädchen.

Welche Symptome können auf die Störung hindeuten? 

An ADHS erkrankte Kinder sind laut Schwab impulsiv, leicht reizbar, halten sich nicht an Regeln, haben mangelndes Selbstvertrauen, notorische Unruhe und oft ein gestörtes Sozialverhalten. Konzentration und Aufmerksamkeit sind eingeschränkt. Im Kindergarten fallen ihnen Spiele schwer, bei denen Geduld gefragt ist. Sie werden wütend und geben auf.

Die Symptome verschlimmern sich mit dem Leistungsdruck in der Schule. Wenn etwas nicht sofort gelingt, sind ADHS-Kinder frustriert und geraten mit Eltern, Lehren oder Mitschülern aneinander - auch körperlich. Übrigens: Je größer die Lerngruppe, desto schwerer tun sie sich.

An wen können sich Eltern wenden, wenn ihre Kinder solche Symptome haben? 

Es ist wichtig, das Gespräch mit den Lehrern zu suchen, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Nur, weil ein Kind ein oder zwei der Symptome hat, leidet es nicht zwangsläufig unter ADHS, weiß Experte Manuel Schwab. Das Erscheinungsbild der Krankheit ist ohnehin wenig einheitlich. Der nächste Weg sollte dann zum Kindertherapeuten, Psychologen oder Sozialpädagogen führen. Nur so kann eine klare Diagnose gestellt werden.

Wie sieht die Behandlung aus? 

Neben dem Einsatz des Medikamentes Ritalin, das die Symptome von ADHS hemmt, sollte immer regelmäßig ein Sozialpädagoge oder Therapeut besucht werden. Mittlerweile sinkt der Einsatz von Ritalin sogar. Auch ein bloßes Konzentrations- und Verhaltenstraining kann helfen. Dabei wird konsequent versucht, das Verhalten der Kinder zu verändern und ihnen zu ermöglichen, es selbst zu steuern. Die positiven Eigenschaften wie Charme, Witz und Kreativität von ADHS-Erkrankten werden gezielt gefördert.

Was können Eltern zur Besserung beitragen? 

Sie sollten klare Regeln setzen, aber auch Verständnis und Geduld für ihre Kinder aufbringen. Die Behandlung führt nur langfristig zu Erfolgen. Außerdem ist es wichtig, die Krankheit behandeln zu lassen. Sonst werden die Symptome schlimmer und schwerer therapierbar. Auch ihre Teilnahme an Therapiesitzungen kann helfen, erklärt der Sozialpädagoge.

Welche Schulform empfiehlt sich bei ADHS? 

An ADHS leidende Kinder können eine allgemeine Schulform besuchen. Die Lehrer dort sind dementsprechend ausgebildet.

Rubriklistenbild: © dpa

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