MPU-Stelle kennt das Problem

Fälle von älteren, alkoholisierten Autofahrern häufen sich 

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Auch ein paar Bierchen schaden: Gerade ältere und eigentlich erfahrene Autofahrer übersc hätzen ihre Alkoholtoleranz deutlich und setzen sich an Steuer. Festtage sind die Zeit der Führerscheinentzüge. 

In Meldungen der Polizei tauchen häufiger Meldungen von alkoholisierten Autofahrern fortgeschritteneren Alters auf. Die MPU-Stelle kennt das Problem, die Polizeistatistik nicht.

Anfang November, morgens gegen 9.30 Uhr verursacht ein 65-jähriger Mann mit 2,1 Promille Alkohol im Blut in Sontra einen Unfall. Er kommt von der Straße ab, beschädigt einen Zaun und einen Pfeiler. Wenige Tage vorher stellt die Polizei in Sontra eine 46-jährige Frau, die in Schlangenlinien durch die Stadt fährt mit 2,6 Promille Alkohol im Blut.

Unfälle häufen sich

Ein 72-jähriger Mann verliert im Oktober am Eschweger Stadtbahnhof die Kontrolle über seinen Wagen und rammt die geöffnete Tür eines geparkten Autos, aus dem eine Frau gerade ihr Kleinkind holt. Der Mann ist, wie die Polizei dann feststellt, betrunken. 

Im September kollidiert ein 58-jähriger Mann bei Rechtebach mit einer 23-jährigen Autofahrerin, auch hier stellt die Polizei bei dem Fahrer erheblichen Blutalkohol fest. Die Liste lässt sich noch weiter fortführen.

Erklärung der MPU Begutachtungsstelle

Dass in der Liste der Alkoholdelikte im Straßenverkehr eher ältere Personen auftauchen, erklärt der Leiter der MPU-Begutachtungsstelle des TÜV Hessen in Kassel, Bernd Lehnert, damit, dass „ein paar Bier bei der älteren Generation immer noch eher als Kavaliersdelikt“ gesehen würden. „Führerescheine werden gerade in dieser Jahreszeit oft eingezogen“, weiß Lehnert. Das läge unter anderem an den Festtagen, wo viele Weihnachtsfeiern stattfinden.

Alkoholtoleranz nimmt mit dem Alter zu

„Die Alkoholtoleranz nimmt mit dem Alter zu, und viele ältere Kraftfahrer machen sich dann keine Gedanken darüber, nach einem Fest und einigem Alkohol noch Auto zu fahren.“ Eine weitere Rolle spiele dabei auch das „Modellverhalten“. Einer fährt trotz Alkoholgenusses, dann tun andere es ihm nach.

Dass weniger junge Autofahrer in der Statistik auftauchen sieht Lehnert in dem totalen Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren begründet. „Jüngere Fahrer sind heute stärker für das Thema sensibilisiert.“ Die Gruppe, schränkt er allerdings ein, werde aber häufiger mit Drogen am Steuer gestellt, an erster Stelle unter Einfluss von Cannabis.

Das sagt die Polizeistatistik aus

Alexander Först, Sprecher der Polizei im Werra-Meißner-Kreis, erklärt die Alkoholdelikte eher damit, dass die Polizei seit Ende vorigen Jahres wieder einen stärken Fokus auf Kontrollen legt. Die eigentliche Statistik bestätigt das Phänomen nicht. 2017 waren von 2290 Unfällen im Kreis 50 unter Einfluss von Alkohol, bei 13 davon waren die Fahrer älter als 50 Jahre. 2018 sind die Zahlen relativ identisch. 

Alkoholdelikte rückläufig

Zugleich weiß Först, wie wichtige gerade im ländlichen Raum ein Führerschein ist, um mobil zu sein. „Es sollte eigentlich jeder daran interessiert sein, seinen Führerschein zu behalten und ihn nicht durch unüberlegtes Verhalten aufs Spiel zu setzen.“ 

Generell aber seien Delikte von Alkohol und Drogen am Steuer rückläufig. Das bestätigt auch der MPU-Psychologe: Gab es 1998 deutschlandweit noch 95 000 MPU-Fälle wegen Alkohols am Steuer, waren es im Jahr 2018 nur noch 36 800 Fälle. „Alkoholdelikte sind rückläufig, dafür steigen die Drogendelikte im Straßenverkehr.“

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