Mediziner: Kassenärztliche Vereinigung soll Altersgrenze kippen

Ärzte über 65 werden für Notdienst gebraucht

+

Werra-Meißner.  Niedergelassene Ärzte über 65 Jahren sollen wieder Notdienste übernehmen. Das fordert die Mehrheit der Mitglieder des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) Werra-Meißner Süd von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, wie Obmann Dr. Markus Theophel aus Eschwege mitteilt.

Wer noch eine eigene Praxis führt, könne auch Notdienste übernehmen - so der Tenor bei der ÄBD-Mitgliederversammlung.

Hier gibt es Hilfe 

Patienten, die außerhalb der Praxis-Sprechzeiten ärztliche Hilfe benötigen, wählen die kostenlose Rufnummer Tel. 116 117. Sie erreichen medizinisches Fachpersonal der Dispositionszentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in Kassel. Je nach Mobilität und Art der Erkrankung fährt der Patient zur ÄBD-Zentrale in Witzenhausen oder Eschwege oder ein Arzt kommt zum Hausbesuch. Erreichbar ist die ÄBD-Nummer 116 117 Mo., Di. und Do. von 19 bis 7 Uhr, am Mi. und Fr. von 14 bis 19 Uhr, am Sa., So. sowie an Brücken- und Feiertagen von 7 bis 7 Uhr. (kbr)

Bislang dürfen sich Ärzte über 65 Jahre von der Pflicht, Notdienste zu übernehmen, durch die KV befreien lassen. Diese Regelung führe zunehmend zu Schwierigkeiten bei der Verteilung der Fahr- und Präsenzdienste, sagt Theophel. Die Situation wird sich noch verschärfen, da der ÄBD 2015 einen weiteren Arzt als „stille Reserve“ für den Notdienst einteilen muss. „Kommt es zu einer Überfüllung, kann der Bereitschaftsarzt einen Kollegen zur Hilfe anfordern.“ Das sei nötig, um Engpässen zu begegnen, wie es sie beispielsweise an Weihnachten gegeben habe. Patienten hätten bis zu drei Stunden gewartet.

Der Reserve-Arzt ist eine gute Idee, die mit dem vorhandenen Personal aber schwer zu stemmen sein wird. 51 Kollegen decken aktuell den Notdienst ab - sieben weniger als noch 2014, da sie die Altersgrenze überschritten haben. Das entspricht einer Belastung von 14 bis 15 Notdiensten pro Jahr, mit dem Reservedienst steigt die Zahl auf 21. Nur drei externe Ärzte stehen dem Eschweger ÄBD zur Verfügung. „Das liegt an unserer geografischen Lage. Viele wollen nicht 50 Kilometer fahren, um bei uns Notdienst zu machen.“

Das sieht beim ÄBD im Kreisteil Witzenhausen anders aus. Obfrau Dr. Klaudia Ress kann auf einen Pool externer, KV-geprüfter Mediziner zurückgreifen. „Von 66 bei uns niedergelassenen Ärzten versehen 33 bis 40 freiwillig den Notdienst, dazu kommen 20 von außerhalb, die Kapazitäten frei haben. Bei uns läuft das Ganze sehr gut.“

Von Kathrin Bretzler  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare