Dekan: "Akt der Unmenschlichkeit"

335 Afghanen im Kreis droht die Abschiebung

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Sammelabschiebung

Werra-Meißner. Im Werra-Meißner-Kreis leben aktuell 335 Afghanen, die von der Abschiebung bedroht sind. Wie viele afghanische Flüchtlinge im Landkreis konkret betroffen sind, kann Kreissprecher Jörg Klinge nicht sagen.

„Die Ablehnungsquote bei afghanischen Asylbewerbern ist aktuell aber sehr hoch“, bestätigt Klinge. „Eine Abschiebung nach Afghanistan ist ein Akt der Unmenschlichkeit“, sagt Martin Arnold, Dekan des evangelischen Kirchenkreises Eschwege. Seit über 15 Jahren schwelt ein militärischer Konflikt im Land, der immer noch tausenden Menschen jährlich das Leben kostet. Den Menschen drohe dort aufgrund der chaotischen Sicherheitslage Gefahr für Leib und Leben. Dennoch gilt Afghanistan seit Ende 2016 aus deutscher Sicht als sicheres Herkunftsland. Alle in Afghanistan präsenten Nichtregierungsorganisationen würden berichten, dass die Lage im Land so schlimm sei wie nie zuvor. „Die Polizei und staatliche Organe sind nicht in der Lage, die Menschen dort zu schützen“, sagt Arnold. Auch Landrat Stefan Reuß hält die Situation in Afghanistan insgesamt für unübersichtlich, weshalb er nicht abschließend beurteilen kann, ob eine Abschiebung in alle Landesteile vertretbar ist. „Ich halte dies gegenwärtig aber für problematisch, im Zweifel sollte hier zugunsten der Betroffenen von einer Abschiebung abgesehen werden“, sagt Reuß und weißt auf ein weiteres Problem hin: „Es sollte auch vom Gesetzgeber aufgenommen werden, dass die Integration der betroffenen Personen hier bei uns nicht außer Acht gelassen werden darf, sondern als Beurteilungsmaßstab dienen sollte.“ Abschiebehindernisse würden laut Klinge nur in wenigen Fällen bescheinigt, viele Abschiebebescheide hätten aber noch keine Rechtskraft.

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