Alltag im Krankenhaus: Jeder Patient wird bei Aufnahme getestet

Klinikum Eschwege in Corona Zeiten
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Mit Mundschutz und Handschuhen: Schwester Heidi nimmt einer Patientin in der Kardiologie ein EKG ab.

Weniger Auslastung, aber auch mehr Regeln zum Schutz vor Corona - so sieht der Alltag im Klinik-Standort Eschwege aktuell aus.

Eschwege. Trotz strenger Trennung zwischen Covid-19-Patienten und „normalen“ stationären Patienten hat sich auch der Alltag im Klinikum verändert. Der Ärztliche Leiter des Klinikums, Dr. Peter Schott, gibt uns Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen Corona-Alltag im Klinikum.

Wie ist aktuell die Bettenbelegung im Krankenhaus in Eschwege?

Aktuell sind etwa 55 bis 60 Prozent der Normalstationsbetten belegt. Üblicherweise liegt dieser Wert bei etwa 90 Prozent. Zur Zeit sind 80 Prozent der regulären Intensivbetten belegt, deren Zahl kann aber kurzfristig erhöht werden, sodass dann nur die Hälfte der Intensivbetten belegt wären.

Werden die Patienten, die als Notfälle ins Klinikum kommen, nach Möglichkeit in Einzelzimmern untergebracht?

Alle Patienten, die Hinweise auf eine Infektion haben (erhöhte Entzündungswerte im Blut und/oder Fieber), werden in Einzelzimmern auf einer Isolationsstation isoliert (zur Zeit zwei Stationen in Witzenhausen und eine in Eschwege) und zunächst so behandelt, als hätten sie Covid-19. Das heißt, dass das Personal FFP-Masken, Kittel, Handschuhe, Hauben und Schutzbrille trägt. Sobald ein negativer Test vorliegt, werden die Patienten auf die „normalen“ Stationen verlegt.

Wer wird alles auf Covid-19 getestet?

Jeder Patient, der stationär aufgenommen wird, wird prophylaktisch auf Covid-19 getestet – auch wenn es keine Zeichen für eine Infektion gibt. Jeder Patient bekommt zudem einen Mund-NasenSchutz.

Werden Patienten möglichst schnell wieder entlassen?

Wie bisher werden die Patienten dann entlassen, so Schott, wenn der gesundheitliche Zustand dies möglich macht. Es gibt keine „blutigen Notfallentlassungen“, so der ärztliche Leiter.

Werden Patienten vor der Entlassung getestet?

Da alle Patienten bei Aufnahme getestet werden ist dies nicht sinnvoll. Sollten Patienten in ein Pflege-/Wohnheim entlassen werden, erfolgt zeitgerecht vor der Entlassung ein Abstrich.

Wie funktioniert der Kontakt zu den Angehörigen vonseiten der Ärzte und des Pflegepersonals?

Bei kritisch erkrankten Patienten gibt es in Einzelfällen Ausnahmeregelungen beim Besuchsverbot. Ansonsten erfolgt die Kontaktaufnahme per Telefon. Im palliativmedizinischen Bereich stehen Tablets für Patienten zur Verfügung, um einen Videochat mit Angehörigen zu ermöglichen. Das ist eine Spende des Lions-Clubs.

Sind die Stationen im Klinikum Werra-Meißner für Angehörige telefonisch gut zu erreichen?

Die Telefonleitungen funktionieren und das Personal ist sich der schwierigen Situation bewusst.

Wie sieht es in dem Zusammenhang bei Auskünften mit dem Datenschutz aus?

Hier gibt es schon länger eine Option mit einem vom Patienten festgelegten Passwort, dennoch gestaltet sich das zurzeit deutlich schwieriger als früher beim direkten Kontakt.

Tragen alle Mitarbeiter Schutzkleidung?

Alle Mitarbeiter im „sauberen“ nicht-Covid-19-Bereich tragen zur Zeit grundsätzlich einen Mund-Nasen-Schutz und die sonst übliche notwendige Schutzkleidung. Im Covid-Bereich beseht Vollschutz“ mit FFP2/3 Masken, Schutzbrille, virendichter Kittel, OP-Haube und Handschuhen.

Sind die Schutzvorgaben auf den Stationen unterschiedlich?

Prinzipiell sind die Schutzvorgaben sehr ähnlich, der Unterschied liegt bei den Verdachtsfällen und gesicherten Fällen. Verdachtsfälle werden in besonderen Intensivbereichen oder auf zwei Normalstationen in den Patientenzimmern isoliert. Die gesicherten Fälle werden intensivmedizinisch und auch auf Normalstationen in Bereichen isoliert, wo auch außerhalb der eigentlichen Patientenzimmer „Vollschutz“ für die Mitarbeiter verpflichtend ist. Diese Bereiche sind so isoliert, dass ein Zugang nur über Schleusen mit Schutzausrüstung möglich ist.

Sind viele Mitarbeiter aus der Pflege, aber auch Ärzte derzeit krankheitsbedingt oder wegen Quarantäne ausgefallen?

Die Anzahl der infizierten Mitarbeiter ist nach Auskunft des Klinikums im Vergleich zu Daten von Infektionsraten zum Beispiel der Krankenhäuser in Italien sehr gering. Es gibt bisher sieben infizierte Mitarbeiter, die sich aber auch beim Skifahren angesteckt haben. Aktuell haben vier von ihnen Symptome, ein Mitarbeiter wird stationär behandelt. Die Zahl der Mitarbeiter in prophylaktischer Quarantäne ist momentan gering.

Was passiert mit einer Station, wenn dort doch eine Person mit Covid-19 infiziert ist? Muss dann die Station geschlossen werden?

Durch die prophylaktische Isolation von Infektpatienten trete dieses Problem eigentlich nicht auf, sagt Schott, da alle Patienten bei der Aufnahme abgestrichen werden. Sollte sich dennoch ein Patient „eingeschlichen“ haben, ist durch die getroffenen Schutzmaßnahmen (Pflege und Patient tragen Mundschutz) das Infektionsrisiko minimiert. Mit den Hygienekräften und dem Gesundheitsamt werden alle Kontaktpersonen ermittelt und abgestrichen.

Die jeweilige Station muss nicht geschlossen werden, möglicherweise erfolgt eine Quarantäne der Kontaktpersonen.

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