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Ambulante Psychiatrische Pflege: Patientenzahl hat sich verdoppelt

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Kümmern sich um Menschen, die Hilfe brauchen: (von links) Gabi Grund (Leiterin Ambulante Psychiatrische Pflege), Anja Schubert (APP), Torsten Rost (DiaCom Altenhilfe), Stefan Ritz (APP), Karsten Hofmann (APP), Hartmut Kleiber (Aufwind-Vorstand) mit Kalle und Claudia Hoberock (APP).
Kümmern sich um Menschen, die Hilfe brauchen: (von links) Gabi Grund (Leiterin Ambulante Psychiatrische Pflege), Anja Schubert (APP), Torsten Rost (DiaCom Altenhilfe), Stefan Ritz (APP), Karsten Hofmann (APP), Hartmut Kleiber (Aufwind-Vorstand) mit Kalle und Claudia Hoberock (APP). © Kristin Weber

Seit September fährt die Ambulante Psychologische Pflege von Aufwind sozusagen unter vollen Segeln und kann auf einen erfolgreichen ersten Abschnitt der Reise zurückblicken.

Eschwege – Vor einigen Jahren startete der Verein Aufwind mit einem in Nordhessen einmaligen Konzept die Ambulante Psychiatrische Pflege (APP) Werra-Meißner als Pilotprojekt. „Bis im September vergangenes Jahr endlich alle Zulassungsverfahren abgeschlossen waren, war es ein langer Weg“, sagt Aufwind-Vorstandsmitglied Hartmut Kleiber.

Mit an Bord als Kooperationspartner sind das Klinikum Werra-Meißner, die DiaCom Altenhilfe sowie die Krankenkassen BKK Werra-Meißner und BKK Äskulap B. Braun. Im Fall einer psychischen Erkrankung können sich nun aber auch die Versicherten der anderen Krankenkassen an die APP Werra-Meißner wenden. Gabi Grund leitet das Team, das aus psychiatrisch geschulten Fachkrankenschwestern und -pflegern besteht: Claudia Hoberock, Anja Schubert, Karsten Hofmann und Stefan Ritz. Sie besuchen Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu Hause und geben ihnen dort Unterstützung, in ihrer gewohnten Umgebung. Die Klienten können bis zu vier Monate lang ambulant begleitet werden. „Gerade jetzt, in der Corona-Pandemie, brauchen Menschen mit psychischer Erkrankung verstärkt unsere Unterstützung“, sagt Gabi Grund.

„Sie sind oftmals zu Hause isoliert, da viele andere Hilfsangebote zurzeit nicht wie gewohnt stattfinden können.“ Das soziale Miteinander vieler Klienten sei zum Erliegen gekommen, so dass die Pflegerinnen und Pfleger, die zu ihnen nach Hause kommen, oft ihre einzigen Ansprechpersonen seien. „Zu Beginn der Pandemie hatten viele Klienten eher Bedenken, wenn eine fremde Person zu ihnen nach Hause kam“, sagt Claudia Hoberock. „Jetzt ist es genau andersherum. Sie sind sehr dankbar, wenn sie sich einmal mit jemandem austauschen können.“ Geimpft, geboostert und geschützt durch Masken sorgen die Pflegerinnen und Pfleger dabei für einen sicheren Umgang. Die Fachkräfte helfen den Klienten dabei, sich in ihrem Alltag nach und nach wieder zu stabilisieren, um ein eigenständiges Leben führen zu können. Im Bedarfsfall kann die Begleitung auch verlängert werden. Zusätzlich gibt es durch die Zusammenarbeit mit der IVP-Networks auch die Möglichkeit, Klienten bis zu zwei Jahre begleiten zu können. Außerdem gibt es thematische Gruppenangebote. Die Begleitung kann zum Beispiel zur Nachsorge nach einem stationären Aufenthalt in der Klink dienen, um wieder den Übergang in den Alltag zu finden.

Die Anzahl der Patienten, die im vergangenen Jahr die Unterstützung gesucht haben, hat sich mehr als verdoppelt. So wurden 110 Klienten regulär begleitet und 17 im zweijährigen Programm. Den Zugang zur APP finden Menschen mit einer psychischen Erkrankung über die Fachärzte – auch wenn es davon im Werra-Meißner-Kreis immer noch zu wenige gibt, wie Hartmut Kleiber bedauert. „Auch Hausärzte, die bemerken, dass bei ihren Patienten einen Bedarf geben könnte, können sich an uns wenden“, sagt Gabi Grund. Torsten Rost von der DiaCom Altenhilfe und Verwaltungsratsmitglied bei Aufwind, sowie Hartmut Kleiber unterstreichen zudem, wie wichtig die Kooperation zwischen den verschiedenen Bereichen der sozialen Hilfen ist. „Wir als Träger versuchen die unterschiedlichen Säulen, wie Pflegeversicherungs-, Krankenversicherungs- und Eingliederungshilfe durchlässiger zu machen“, sagt Torsten Rost.

Die Probleme der Klienten endeten oft nicht dort, wo ein Träger zuständig sei, sondern seien fließend. Durch die Zusammenarbeit könnten den Klienten so passgenaue Hilfen angeboten werden. „Damit sind wir bei einem Konzept angelangt, dass man Sozialraumorientierung nennt“, sagt Hartmut Kleiber. Auch dieses Konzept werde im Werra-Meißner-Kreis verfolgt. Doch das ist ein anderes Kapitel.

Kontakt: APP - Ambulante psychiatrische Pflege, Gebrüderstraße 3, 37269 Eschwege, Tel.: 0 56 51 / 74 38 0 oder Fax: 0 56 51 / 74 38 – 38. Email: gabi.grund@aufwind-wmk.de. (Kristin Weber)

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