Zulassung beantragt

Ambulante psychiatrische Pflege bei Aufwind: Alle Kassen sollen Kosten tragen

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Das Team der ambulanten psychiatrische Pflege (APP) von Aufwind: (von links) Anja Schubert, Claudia Hoberock und Gabi Grund.

Der Eschweger Verein Aufwind hat bei den Verbänden der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) eine Zulassung seiner ambulanten psychiatrischen Pflege (APP) beantragt.

Der Verein Aufwind, der sich im Werra-Meißner-Kreis um die Betreuung von psychisch Kranken kümmert, hat bei den Verbänden der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) eine Zulassung ihrer ambulanten psychiatrischen Pflege (APP) beantragt. Damit soll für die Klienten die Kostenübernahme durch die Krankenkassen vereinfacht werden. Bisher gibt es im Werra-Meißner-Kreis nur mit der BKK eine Vereinbarung auf Kostenübernahme.

Mit dem Antrag auf Anerkennung des APP als Regelleistung will Aufwind eine breitere Anerkennung ihres Angebots bewirken. „Bislang war es mit vielen Krankenkassen schwierig, die Kosten abzurechnen“, berichtet Vorstand Hartmut Kleiber von den Erfahrungen aus den vergangenen zweieinhalb Jahren. Das hat auch dazu geführt, dass der APP nicht voll ausgelastet ist.

Allein die BKK Werra-Meißner hat unter ihren Versicherten 400 Menschen ausgemacht, die von der ambulanten psychiatrischen Pflege profitieren könnten, berichtet der stellvertretende Vorstand Harald Klement. Zurzeit betreuen die bei Aufwind angesiedelten Pflegekärfte Gaby Grund, Claudia Hoberock und Anja Schubert acht aktive Klienten. Zu Spitzenzeiten seien es 15 im Alter von 19 bis 90 Jahren gewesen. Potenzial hätten die drei Frauen, die zu Fachkräften in der sozialpsychiatrischen Betreuung ausgebildet werden, für zehn bis zwölf Menschen pro Mitarbeiterin. Die werden maximal vier Monate für bis zu zehn Stunden pro Woche betreut.

Martin von Hagen, Leiter des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie (ZPP) im Werra-Meißner-Kreis begrüßt die Initiative von Aufwind den APP zu etablieren und die Initiative, eine Zulassung für ihn zu beantragen. „Der APP ist in der Nach- und auch Vorsorge eine enorm wichtige Ergänzung für unsere stationäre Klinik.“ Im Werra-Meißner-Kreis gibt es 70 Betten und 40 Plätze in der Tagesklinik, die weitestgehend vergeben sind. Die Wartezeiten für einen Platz betragen sechs bis neun Monate.

Hintergrund: Würdiges Leben in gewohntem Umfeld

Ziel der ambulanten psychiatrischen Pflege (APP) ist es laut Bundesverband, dass Menschen mit psychischen Störungen „ein würdiges, eigenständiges Leben in ihrem gewohnten Lebenszusammenhang führen können“. Die Pflege in der eigenen Wohnung soll außerdem das räumliche und personale Umfeld einbeziehen und den Patienten in seinen gewohnten sozialen Bezügen stärken. Zu den 37 relevanten Diagnosen gehören Depressionen, bipolare Störungen oder Überlastung.

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Hilfe bei der Bewältigung des Alltags

Für die Ambulante Psychiatrische Pflege (APP) im Werra-Meißner-Kreis sind die drei Mitarbeiterinnen von Aufwind, dem Verein für seelische Gesundheit, Anja Schubert, Claudia Hoberock und Gabi Grund zuständig. Wir erklären ihre Arbeit:

  • Die Mitarbeiterinnen: Die drei Aufwind-Mitarbeiterinnen sind von Hause aus Krankenschwestern, die sich jetzt qualifiziert haben. Gabi Grund, die verantwortlich leitende Pflegekraft des Teams ist außerdem psychiatrisch qualifizierte Pflegefachkraft, Ethikberaterin in der Pflege und Coach für integrierte lösungsorientierte Psychologie. Ihr Stellvertreterin Claudia Hoberock ist ebenfalls Krankenschwester und psychiatrisch qualifizierte Pflegefachkraft. Die dritte im Bunde ist Anja Schubert, die als Krankenschwester mit psychiatrischer Berufserfahrung.
  • Die Angebote: Die drei Mitarbeiterinnen unterstützen die chronisch psychisch erkrankten Menschen in schwierigen Lebenssituationen im eigenen Umfeld. Sie besuchen die Klienten zu Hause und ermitteln mit ihnen gemeinsam, welchen Hilfebedarf sie haben und was sie erreichen möchten. Die Unterstützung beinhaltet Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, entlastende Gespräche, Maßnahmen zur Bewältigung von Krisensituationen, wenn gewünscht die Beratung der Angehörigen und Zusammenarbeit mit dem zuständigen Arzt. „Außerdem gehören die gemeinsame Suche nach sinnvollen Beschäftigungs- und Freizeitaktivitäten, die Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie die Aufrechterhaltung und Neuentwicklung der Tagesstruktur zu unseren Angeboten“, sagt Gabi Grund.
  • Die Diagnosen: „Vermehrt kommen Menschen zu uns, die durch Überbelastung in eine psychische Krise geraten sind“, erklärt Gabi Grund. Zu den gängigsten Diagnosen, bei denen die Mitarbeiterinnen des APP aktiv werden können, gehören Demenz in verschiedenen Formen, Halluzinationen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, depressive Störungen, Zwangshandlungen, posttraumatische Belastungsstörung, schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett, Essstörungen oder eine emotionale instabile Persönlichkeitsstörung.
  • Das Vorgehen: Die APP wird in der Regel vom Haus- oder Facharzt verordnet. Zuerst für 14 Tage, maximal für vier Monate. „Eine Verlängerung ist selten“, sagt Grund. Bis zu zehn Stunden pro Woche – immer nach Bedarf– arbeiten die drei Mitarbeiterinnen mit den Klienten. Jeder Behandelte hat einen festen Ansprechpartner. Ob die ambulante psychiatrische Pflege infrage kommt, kann man mit den Mitarbeiterinnen direkt klären.

Kontakt zur ambulanten psychiatrischen Pflege bei Aufwind: 

Die Mitarbeiterinnen Anja Schubert, Claudia Hoberock und Gabi Grund erreicht man unter Tel. 05651/743834, per E-Mail unter app@aufwind-wmk.de oder im Internet unter www.aufwind-wmk.de

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