In den Amtsstuben im Schloss wird es eng

Verwaltungssitz. Schon die landgräfliche Verwaltung war ab dem Jahr 1821 in dem Schloss untergebracht. Das denkmalgeschützte Gebäude, das Hauptsitz des Werra-Meißner-Kreises ist, hat großen Sanierungsbedarf.

Eine gute Hand breit klafft der Riss im Mauerwerk des Westflügels oberhalb des Rittersaals durchgehend bis in das zweite Obergeschoss. Aus den Büros im Südflügel mussten aus statischen Gründen bereits Akten ausgelagert werden. Das gesamte Dach ist ohne jede Wärmedämmung: eine energetische Katastrophe. Das Landgrafenschloss in Eschwege - seit 1821 Verwaltungssitz, zunächst der landgräflichen Administratur, heute des Werra-Meißner-Kreises - bedarf einer umfangreichen Sanierung mit Millionenaufwand.

Die statischen Schwierigkeiten sind seit sieben Jahren bekannt und haben ihre Ursache in der Bauart des denkmalgeschützten Gebäudes. Das ist nämlich nicht auf ein solides Fundament gegründet, sondern über ein sogenanntes Hängewerk konstruiert. Die gesamte Last wird über die Wände abgetragen. Dadurch kommt Bewegung in das Gebäude - der riesige Riss ist eine Folge. „Eine akute Gefahr gibt es aber nicht“, beruhigt Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann. „Die Abgängigkeit ist gestoppt.“ Die Wände würden gegeneinander stehen, eingezogene Stahlträger die Konstruktion stabilisieren. Nachdem vor fünf Jahren die Grundsatzentscheidung getroffen worden war, am Landgrafenschloss als Hauptsitz der Kreisverwaltung festzuhalten, stand fest, dass die Sanierung und auch eine gewisse Modernisierung des Gebäudes anstehen.

Für Landrat Stefan Reuß steht fest, dass ein kulturhistorischer Auftrag zu erfüllen ist. Die im Investitionsprogramm genannten Summen basieren lediglich auf Schätzungen. Die Kosten für die Schloss-Sanierung werden genauer frühestens genannt werden können, wenn sich die Gremien des Kreises auf den Umfang des Projektes verständigt haben und die Planung vorliegt.

Dr. Wallmann: „Eine ganze Bandbreite an Varianten ist möglich.“ An erster Stelle stehe die Sicherheit, wichtig seien die Wirtschaftlichkeit und die Optimierung der Verwaltungsstrukturen. „Über die ganzen Jahre gab es keine Grundsanierung“, berichtet Landrat Reuß. Bauliche Veränderungen dagegen schon. Weil das Gebäude lediglich riesige Räume, oder besser gesagt Säle hatte, wurden immer wieder kleinere Einheiten abgeteilt, um eine größere Zahl von Büros zu bekommen. Auch aus der früheren Dienstwohnung des Landrates wurden irgendwann Amtsstuben. Ein ganzes zusätzliches Zwischengeschoss wurde eingezogen - zugunsten zusätzlicher Büros und auf Kosten der Nutzbarkeit des Rittersaales. Denn: Eine Empore, die diesem Saal im Erdgeschoss ein besonderes Ambiente verlieh, wurde abgetrennt.

Das ist einer der Umbauten, der mit der anstehenden Sanierung wieder rückgängig gemacht werden könnte. Das ginge auf Kosten von sieben Büros, der Rittersaal würde allerdings deutlich gewinnen. Am Ende wird auch hier die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen, eine andere der Denkmalschutz.

Um Denkmalschutz wird es auch bei der Erfüllung energetischer Ziele und bei der Modernisierung gehen. Die Dämmung der Außenfassade ist unter Beachtung der Vorgaben dann unter wirtschaftlichen Aspekten kaum darzustellen. Bliebe die Wärmeisolierung des Daches - nach Einschätzung Dr. Wallmanns relativ preiswert machbar. Zur Modernisierung gehört auch die Barrierefreiheit. Einen Fahrstuhl im Inneren des Schlosses einzubauen, wäre kaum bezahlbar. Ein Aufzug an der Außenfassade würde den Auflagen des Denkmalschutzes nur genügen, wenn er im zweiten Obergeschoss enden würde. Damit bliebe die Barrierefreiheit dem Dachgeschoss vorenthalten.

Momentan wird das Dachgeschoss nicht genutzt. Der Bedarf an zusätzlichem Raum ist allerdings deutlich. „Wir sitzen sehr beengt und bekommen ständig mehr Aufgaben zugewiesen“, so Reuß, der deutlich macht, dass neue Aufgaben mehr Mitarbeiter und zusätzliche Büros erfordern. Schon heute könne unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten nicht optimal gearbeitet werden. Wenn in sensiblen Bereichen zwei Beschäftigte in einem gemeinsamen Büro sitzen, können sie nicht gleichzeitig Publikum bedienen.

Deutliche Priorität hat allerdings die Dachsanierung unter Sicherheitsaspekten. Die Schaffung von zusätzlichem Büroraum würde teuer und in denkmalschützerischer Hinsicht schwierig, weil erforderliche Dachgauben auf den Widerstand der Behörde stießen.

Von Harald Sagawe

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