Kriegsende vor 70 Jahren: Amerikaner befreien an Ostern Eschweger Bevölkerung

Angst war unbegründet

Zerstörung und Verzweiflung: Ruinen und Rauch beim Einmarsch der Amerikaner vor 70 Jahren in Eschwege. Das Foto zeigt Lisa Schmitz beim Abtransport von Habseligkeiten, im Hintergrund die gesprengte Werrabrücke. Foto: Geschichtsverein Eschwege

Eschwege. Das Osterfest vor 70 Jahren bot für die Menschen in Eschwege weitaus mehr Sorge, als heute das schlechte Wetter. Der Einmarsch der Amerikaner stand bevor und die Eschweger lebten in Ungewissheit. Wir blicken zurück, wie die Feiertage rund um Stad und Brückenhausen Anfang April 1945 in Eschwege abliefen.

KARFREITAG, 30. MÄRZ 

Lisa Schmitz Eltern betrieben das Café Schäfer am Unteren Stad. In ihrer Gaststube und im gesamten Haus hielten sich deutsche Soldaten auf. Sie bekamen dort Torten, Kuchen und Kaffee. Aus den wenigen Zutaten, die es noch gab, bereitete der Vater mit zwei Soldaten, die Bäcker waren, einige Teigspeisen zu. Nachbarn verteilten Vorräte an die geschwächten Soldaten. In dem Haus wurden auch ihre Wunden versorgt. Sanitätsrat Gebhard, genannt Onkel Doktor, arbeitete dort im Akkord.

Die Amerikaner näherten sich von Westen. Am Karfreitag wurde bekannt, dass die vier Brücken, die über die Werra führen sollten, gesprengt werden. Die Brücken nach Brückenhausen und die der Kanonenbahn hatten dabei für die Deutschen Priorität. So sollte ein Vordringen der Amerikaner in Richtung Eichsfeld verhindert werden. Pioniere brachten Sprengladungen an den Brücken an.

OSTERSAMSTAG, 31. MÄRZ 

Während im nahe gelegenen Waldkappel die Explosion des Munitionszuges den Bahnhof zerstörte, war es in Eschwege noch ruhig. Die Luftschutzkeller wurden zwar schon hergerichtet, gefährlich war es noch nicht. Auf der ersten Werrabrücke platzierten deutsche Soldaten einen Panzer. Der wurde mit Munition und Granaten gefüllt und sollte die Explosion bei einer Sprengung verstärken. Anwohner, die das verhindern wollten, wurden abgewiesen, der Panzer streng bewacht. Am Abend hörte man Luftangriffe.

OSTERSONNTAG, 1. APRIL 

Der erste Osterfeiertag verlief in gespannter Erwartung. Die Familien packen ihr Hab und Gut für alle Fälle zusammen. Die Eschweger machten sich Gedanken, wie die Amerikaner mit ihnen umgehen würden. Die Hoffnung der Zivilisten war, dass Eschwege nicht verteidigt, sondern übergeben würde. DIENSTAG, 3. APRIL

6 Uhr: Die Eisenbahnbrücke der Kanonenbahn über die Werra wird gesprengt.

9 Uhr: Die erste Werrabrücke in der Innenstadt geht hoch. Mit ihr explodiert auch der abgestellte Panzer und hinterlässt eine immense Verwüstung. Durch die Detonation fliegen Menschen durch die Luft, Häuser werden zerstört. Nachmittags: Amerikanische Truppen erreichen die Stadt. Sie kommen schnell mit der Bevölkerung in Kontakt, verteilen Kaugummis, werden zum Essen eingeladen. Die deutschen Soldaten ergeben sich. Vorher wurden Uniformen und Devotionalien in die Werra geworfen. Eschwege ist befreit.

Von Tobias Stück

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