Zahl der Krätze-Erkrankungen im Werra-Meißner-Kreis steigt

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Werra-Meißner – Sieben Krätze-Erkrankungen sind seit Beginn des Jahres beim Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises gemeldet worden.

2018 waren es insgesamt 16 Fälle. „Derzeit steigt die Zahl der Krätze-Meldungen in Gemeinschaftseinrichtungen deutlich an“, sagt Jörg Klinge, Pressesprecher des Landkreises.

Betroffen ist unter anderem auch der Kindergarten „Pusteblume“ im Waldkappeler Ortsteil Bischhausen. „Aus der Einrichtung ist uns aktuell ein Fall gemeldet worden“, bestätigt Klinge auf Anfrage. „Die Einrichtung wurde durch den Fachdienst Hygiene beraten und die Wiederzulassung der betroffenen Person erfolgt nach Erstbehandlung und ärztlichen Attest.“ Die Frage, welche Einrichtungen weiterhin betroffen waren oder es noch sind, blieb seitens des Kreissprechers bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Meldepflicht für Gemeinschaftseinrichtungen

Dass es im Werra-Meißner-Kreis durchaus viel mehr Menschen gibt, die an Krätze – in der Fachsprache Skabies genannt – erkrankt sind, ist nicht auszuschließen. Meldepflichtig sind nach dem Infektionsschutzgesetz nämlich nur Gemeinschaftseinrichtungen, wie zum Beispiel Schulen, Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser – auch wenn nur ein Verdacht auf die ansteckende Hautkrankheit besteht. Auf private Haushalte finden die Vorschriften aus dem Gesetz keine Anwendung.

Juckreiz und Hautpapeln, die klassischen Krätze-Anzeichen, machen sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erst etwa vier Wochen nach der ersten Infektion bemerkbar. Anders sei das bei einer erneuten Erkrankung, bei der die Hautveränderungen aufgrund einer bereits bestehenden Sensibilisierung schon früher, also nach ungefähr ein bis vier Tagen auftreten.

Hintergrund: Was ist Krätze?

Krätze ist eine ansteckende Hautkrankheit. Diese wird durch etwa 0,3 Millimeter große und mit dem bloßen Auge kaum sichtbare Milben verursacht. Die Kleinstlebewesen graben sich in die obere Hautschicht des Menschen ein. Dort legen die Weibchen in einem Zeitraum von ungefähr vier bis acht Wochen ihre Eier ab. Ausscheidungen der Milben sind unter anderem der Grund für die Bildung von Bläschen, Knötchen und Pusteln. Befallene Stellen sind vor allem Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen und Genitalien. Die Übertragung der Skabiesmilben erfolgt bei länger andauerndem Körperkontakt – kurzes Händeschütteln führt in der Regel nicht zur Infektion. Außerhalb des Wirtes können Milben noch etwa zwei Tage lang überleben. Krätze-Erkrankungen gibt es weltweit und bei Menschen jeden Alters.

Kommentar: "Kein Grund zur Panik"

Allein die bloße Vorstellung, dass kleine Parasiten sich unter die Haut graben, um dort ihre Eier abzulegen, löst Ekel aus. Die Tatsache, dass die Anzahl der gemeldeten Krätze-Fälle steigt, macht das Ganze nicht besser. Erkrankte haben leider nicht nur mit stark juckender Haut zu kämpfen, sondern auch mit dem Vorwurf, sich wenig um die eigene Körperhygiene zu kümmern. 

In Wirklichkeit kann es aber jeden treffen. Das Bekanntmachen eines Krätze-Falles ist für Gemeinschaftseinrichtungen Pflicht. Groß in der Öffentlichkeit verbreiten will das Thema aber verständlicherweise niemand. Zu groß ist die Angst der Betroffenen, sich damit selbst in ein falsches Licht zu rücken und Schaden zuzufügen. 

Die Veröffentlichung soll die Betroffenen auf keinen Fall bloßstellen oder die Bevölkerung in Panik versetzen. Dass es Krätze gibt, sollte aber jeder wissen. Lediglich wollen wir informieren und sensibilisieren: Es kann wirklich jeden treffen.

Fragen und Antworten zum Thema Krätze

Was sind Krätzemilben? 

Die Krätzemilbe ist der Erreger der Hautkrankheit Skabies. Die Parasiten paaren sich erst auf der Oberfläche der Haut, bevor die Weibchen Gänge in die obereste Schicht dieser graben. Dort legen die Milben ihre Eier ab. Nach dem Schlüpfen suchen die Larven den Weg zurück zur Hautoberfläche und der Lebenszyklus der Tierchen beginnt auf ein Neues. 

Wie wird die Krankheit übertragen? 

Hautkontakt zu einem an Krätze erkrankten Menschen, welcher über einen längeren Zeitraum andauert, führt hauptsächlich zur Übertragung der Milben. Da die Kleinstlebewesen etwa zwei Tage ohne ihren Wirt überleben können, ist auch die Ansteckung über Textilien wie Bettdecken oder Kleidungsstücke möglich. Milben, die von Tieren auf den Menschen übergehen, gibt es ebenfalls. 

Wodurch wird der starke Juckreiz ausgelöst? 

Verantwortlich für die gereizte Haut sind die Krätzmilben selbst sowie deren Ausscheidungen. An den betroffenen Stellen bilden sich Knoten oder Blasen. Der Juckreiz wird durch Wärme stärker. Menschen, die zusätzlich kratzen, sorgen dadurch für die Entstehung von Schuppen und Krusten. Bei welchen Menschen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch? Ein erhöhtes Risiko, Skabies zu bekommen, besteht bei Personen mit einer geschwächten Immunabwehr. Krätze kommt aber häufig an Orten vor, an denen Menschen auf engen Raum zusammen leben, wie es zum Beispiel in Pflegeheimen oder Kindergärten der Fall ist. 

Warum dauert es bei der ersten Infektion mehrere Wochen, bis die Symptome sichtbar sind? 

Zwei bis sechs Wochen dauert es nach der Übertragung, bis die klassischen Symptome der Hautkrankheit – starkes jucken und der Befall typischer Hautstellen – eintreten. Das ist der Zeitraum, den das Immunsystem benötigt, um eine spezifische Abwehrreaktion gegen die Krätzemilben zu entwickeln. 

Wie erfolgt die Diagnosestellung eines Arztes? 

Ein spezielles Instrument, Dermatoskop genannt, wird von einem Arzt auf die veränderten Stellen der Haut aufgesetzt, um kleinste Details zu erkennen. So können die Milben, Eier und der Kot der Parasiten sichtbar gemacht werden. Zusätzlich kann eine feine Nadel eingesetzt werden, die Material aus den Gängen holen kann. Ein direkter Nachweis des Erregers ist dennoch nur in wenigen Fällen erfolgreich. Grund dafür ist, dass sich häufig weniger als zehn Milben in der gesamten Haut befinden. Zudem bleiben sie nicht ständig an einer Stelle, sondern sind gelegentlich in Bewegung. 

Wie läuft die Behandlung ab? 

Behandelt werden kann die Krankheit mit sogenannten Anti-Milben-Mitteln, mit denen es möglich ist, alle Parasiten abzutöten. Manche haben allerdings starke Nebenwirkungen, weshalb unbedingt der Rat eines Arztes befolgt werden sollte. 

Bleiben die Hautveränderungen bestehen? 

Nach der Abtötung aller Parasiten kann es vorkommen, dass einige Bestandteile in der Haut zurückbleiben und die Entzündungen weiter aufrecht erhalten. In diesem Fall erfolgt eine Behandlung mit antientzündlichen Salben und Cremes. Wer während der Erkrankung viel kratzt, muss mit zurückbleibenden Narben rechnen. 

Darf ich als Krätze-Erkrankter überhaupt das Haus verlassen? 

Solange die Krankheit aktiv ist, sollten betroffene Personen öffentliche Bereiche so gut wie möglich meiden und nur in dringenden Notfällen das Haus oder die Wohnung verlassen, denn: Jede Umgebung, in der sich der Erkrankte aufhält, wird infiziert. Bis die Behandlung endgültig abgeschlossen ist, sollte darauf geachtet werden, dass die Haut komplett bedeckt wird und keine anderen Menschen und Objekte berührt werden.

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