Schutz vor gefälschten Medikamenten: Apotheken stehen jetzt vor Problemen

ARCHIV - 09.08.2012, Baden-Baden: Das Logo an einer Apotheke ist an einem Fenster zu sehen. Der Deutsche Apothekentag 2019 findet vom 25. bis 27.09.2019 in Düsseldorf statt. Der Apothekertag mit rund 300 Delegierten will über die Zukunft des Gesundheitssystems und die Arzneimittelversorgung diskutieren. Unter anderem stehen Arzneimittel-Lieferengpässe und das E-Rezept auf der Tagesordnung. Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
+
urn:newsml:dpa.com:20090101:190923-99-994042

Der Schutz von Patienten vor gefälschten Medikamenten stellt Apotheken vor finanzielle, aber auch vor personelle Herausforderungen. Grund ist das neue Sicherheitssystem Securepharm.

Vor einem Jahr mussten die Apotheken zur Umsetzung der EU-Fälschungsschutzrichtlinie das zusätzliche Sicherheitssystem einführen. Damit sollen gefälschte Medikamente, die in die legale Lieferkette gelangt sind, innerhalb von Millisekunden identifiziert werden können.

Die Investitionen für die technische Ausstattung, um Securepharm zu nutzen, geht nach Angaben des hessischen Apothekerverbandes in die Tausende. Dessen Vorsitzender Holger Seyfahrth warnt den Gesetzgeber davor, die Apotheken weiter zu belasten. „Täglich werden über zwei Millionen verifizierungspflichtige Arzneimittel aus dem Securpharm-System ausgebucht, der Großteil von den Apotheken vor Ort.“

Dr. Joachim KirchApotheker

Dr. Joachim Kirch von der Löwen-Apotheke in Eschwege hat im vergangenen Jahr viel in neue Lagersysteme und EDV investiert, darunter in Scanner und Hardware, um die großen Datenmengen zu speichern. „Alle Arzneimittel werden bereits beim Wareneingang kontrolliert, ein zweites Mal, wenn sie an den Kunden rausgegeben werden.“ Das erzeuge einen deutlichen höheren Aufwand in der Warenwirtschaft, bei der Beratung und bei den Botendiensten. „Für den Fall, dass das Internet ausfällt, dürfen wir gar keine Arzneimittel mehr rausgeben, weil wir sie nicht über den Securepharm-Server verifizieren können“, sagt Kirch.

Aber vor allem haben die Apotheken Zweifel an der aktuellen Sicherheit des Systems. „Das System ist gut, aber an der falschen Stelle“, sagt Kirch – nämlich in der legalen Lieferkette in Deutschland, die die wenigsten Fehler aufweise. Internetapotheken sind nicht an Securepharm angeschlossen, andere europäische Länder haben andere Systeme oder sind noch nicht verpflichtet, das System einzuführen.

Einfallstor gefälschter Medikamente seien Importeure. Die Krankenkassen fordern aber aus Kostengründen, dass Apotheken fünf Prozent ihre Medikamente aus Importware rekrutieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare