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Attacken gegen Pizzaboten nicht erwiesen – Prozess eingestellt

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Von: Emily Spanel

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Justitia
Der Prozess gegen eine 46-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis musste mangels ausreichender Beweise eingestellt werden. © Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ohne Urteil ist am Montagmittag der Prozess gegen einen 46-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis vor dem Amtsgericht Eschwege zu Ende gegangen. Das Verfahren ist mit Auflagen vorläufig eingestellt worden – dabei wog die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft schwer: Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung und das Fahren ohne Führerschein wurden dem Mann zur Last gelegt.

Werra-Meißner - „Nicht eindeutig“ seien die Belege für seine Schuld, begründete Strafrichterin Sprenger nach der Beweisaufnahme. So etwa konnte schon der Tattag des ersten Vorfalls weder festgelegt noch wenigstens ein grober Zeitrahmen bestimmt werden. Hier hatte der 21-jährige Fahrer eines Pizza-Bringdienstes angegeben, „im März 2021“ von dem Angeklagten zu einer Vollbremsung und einem hoch gefährlichen Ausweichmanöver gezwungen worden zu sein, weil der 46-Jährige plötzlich ein Bobby-Car auf die Fahrbahn gerollt habe. Der 21-Jährige habe eine Pizza ausliefern wollen und dabei das Anwesen des Angeklagten passiert, das direkt an einer Landstraße anliegt.

Schon zu Beginn der Zeugenbefragung revidierte der 21-Jährige den von ihm bei der vorausgegangenen polizeilichen Befragung angegebenen Tatzeitraum; und nach der Konfrontation mit Lichtbildern durch Verteidiger Dr. Kevin Faber im Gerichtssaal war ihm eine eindeutige Identifikation des Angeklagten nicht mehr möglich.

Zu einem zweiten Vorfall soll es dann im Mai 2021 gekommen sein: Wieder passierte ein Pizzabote, diesmal der 19-jährige Bruder des Zeugen, das Anwesen. Der Angeklagte soll diesmal einen Gegenstand, vermutlich einen Scheit Brennholz, nach dem Auslieferungsfahrzeug geworfen haben. Durch die Wucht des Aufpralls riss die Windschutzscheibe. „In Panik“ habe der 19-Jährige zurückgesetzt und auf Höhe der Hofeinfahrt Ausschau nach dem Werfer gehalten. Dieser sei dann mit einem „rohrähnlichen Gegenstand aus Metall“ auf ihn zugestürmt und habe gegen das Heck des Autos geschlagen.

Sofort sei der 19-Jährige losgefahren und habe noch während der Fahrt die Polizei verständigt. Der Angeklagte habe unterdessen mit einem Motorrad die Verfolgung aufgenommen; sei dabei teilweise auf der Gegenfahrbahn neben dem Pizzaboten hergefahren. Da es sich vermutlich um eine 50-Kubik-Maschine gehandelt habe, sah das Gericht der Vorwurf der nicht gültigen Fahrerlaubnis als entkräftet an.

1000 Euro für einen guten Zweck

Der Angeklagte hat sich bereit erklärt, insgesamt 1000 Euro zu zahlen: 500 Euro an die Kreisverkehrswacht Werra-Meißner und 500 Euro an den Förderverein der Paul-Moor-Schule. Geht das Geld innerhalb eines Monats ein, gilt das Verfahren als eingestellt. Der Angeklagte hat sich im Gerichtssaal nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Laut der Zeugen habe er sich jedoch mehrfach beschwert, dass die Pizza-Auslieferer die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h nicht einhalten.  (Emily Hartmann)

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