Aufnahme von Patienten auch aus Südhessen

Coronavirus: Altersschnitt der Patienten im Klinikum Werra-Meißner sinkt rapide

Intensivstation am Standort in Witzenhausen: Eine Krankenschwester bedient ein Beatmungsgerät.
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Intensivstation am Standort in Witzenhausen: Eine Krankenschwester bedient ein Beatmungsgerät.

Die Zahl der im Klinikum Werra-Meißner behandelten Coronavirus-Patienten ist in den vergangenen Tagen wieder auffallend angestiegen.

Werra-Meißner - Merklich gesunken ist indes der Alterschnitt der Erkrankten: Lag das Durchschnittsalter während der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr noch bei weit über 75 Jahren, hat dieses sich nun um die 50 Jahre eingependelt, teilt Marco Lubitz, Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum-Standort in Witzenhausen, mit.

Dort werden die positiv getesteten Infizierten auf einer isolierten Normalstation (aktuell zwölf Personen; Stand Donnerstagmorgen) und auf der isolierten Intensivstation (aktuell vier, davon einer mit Beatmung; Stand Donnerstagmorgen) versorgt. Zu Spitzenzeiten im Frühjahr mussten ebenfalls vier Personen gleichzeitig auf der Intensivstation behandelt werden.

„Das zeigt, dass das Coronavirus eben nicht nur ältere oder vorerkrankte Menschen aus der Risikogruppe so stark treffen kann, dass diese stationär im Krankenhaus aufgenommen werden müssen – sondern eben auch jüngere Leute“, sagt Marco Lubitz.

Luftnot und Brustschmerzen bei den Betroffenen

Wer ins Klinikum Werra-Meißner komme, den würden vor allem Luftnot und Brustschmerzen plagen. Die auf der Intensivstation behandelten Patienten kommen aktuell aus Südhessen, so Klinikumssprecher Florian Künemund. Dort seien die Kliniken ausgelastet. Ein Patient sei beispielsweise am Dienstagabend mit einem nachtflugtauglichen speziellen Intensivhubschrauber nach Witzenhausen gebracht worden.

Nach den nahezu ruhigen Monaten im Sommer und Frühherbst müsse sich das Personal des Klinikums am Standort in Witzenhausen nun wieder verstärkt um Infizierte kümmern. Das bringe laut Lubitz die bekannten Erschwernisse im Arbeitsalltag mit sich: Schutzkleidung, bestehend aus Kittel, Kopfbedeckung, Brille, Maske und Handschuhen – was bereits nach wenigen Minuten die Schweißperlen auf die Stirn treibe. Hinzu komme die steigende mentale Belastung, wenn wieder mehr Patienten mit schweren Verläufen auf der Intensivstation behandelt werden müssten.

Chefarzt Lubitz: „Die Stimmung in der Belegschaft ist gut.“

Damit der Betrieb am Standort in Eschwege weitgehend „normal“ laufen kann, werden gesicherte Covid-Fälle nach Witzenhausen verlegt oder von vornherein dort untergebracht. Entweder auf der normalen Isolierstation oder eben auf der Intensivstation – je nach Schwere der Erkrankung. Und trotzdem sagt Lubitz: „Die Stimmung in der Belegschaft ist erstaunlich gut, wie bei der ersten Welle auch. Die Abläufe auf unseren Isolierstationen haben sich eingespielt, der Zusammenhalt im Team stimmt.“

Auf der jetzigen Isolierstation 2 in Witzenhausen gibt es 40 Betten. Sollte diese ausgelastet sein, können laut Klinikumssprecher Florian Künemund weitere Stationen für die Covid-Versorgung freigemacht werden. Laut Pandemie-Plan stünden 150 Betten für Coronavirus-Patienten in Witzenhausen bereit.

Behandelt wird auf der Normalstation je nach Ausprägung rein symptomatisch, also mit Medizin gegen Husten, Schmerzmittel oder Antidepressiva, erklärt Marco Lubitz. Bei einer Lungenentzündung kämen zusätzlich Antibiotika hinzu. „Alle Patienten bekommen Heparin zur Thromboseprophylaxe. Ferner erhalten die Patienten mit Sauerstoffbedarf oder Beatmung das Cortison Dexamethason“, so der Arzt.

Kapazitätsprobleme erst ab 100 Coronavirus-Patienten in Witzenhausen

Der normale Betrieb läuft mit Ausnahme der Intensivstation, die nur für Covid-Fälle vorgehalten wird, am Standort in Witzenhausen normal weiter, berichtet Sprecher Florian Künemund. In Eschwege gibt es des Weiteren eine Isoliereinheit, wo Coronavirus-Verdachtsfälle abgetrennt von allen anderen Patienten übergangsweise behandelt werden. Bei einem positiven Testergebnis verfolgt die Verlegung nach Witzenhausen.

Im Frühjahr hatte Dr. Peter Schott, Ärztlicher Direktor des Klinikums Werra-Meißner und Chefarzt, gegenüber unserer Zeitung erläutert, dass bei einer höheren Eskalationsstufe auch der Standort Eschwege zum Pandemiekrankenhaus würde und die chirurgischen Abteilungen nach Hessisch Lichtenau ausgelagert würden. „Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass eine Auslagerung nach Lichtenau zum Tragen kommt“, so Klinikumssprecher Florian Künemund. Kapazitätsprobleme würden erst ab 100 Coronavirus-Patienten am Klinikumsstandort in Witzenhausen auftreten. (mmo)

Intensivbetten in Eschwege und Witzenhausen

Das Klinikum Werra-Meißner verfügt am Standort in Eschwege über zehn Intensivbetten, die gleichzeitig auch Beatmungsplätze sind. Dazu kommen acht sogenannte Intermediate-Care-Betten (IMC). Diese Betten können als Zwischenschritt von der Intensiv- zur Normalstation aufgefasst werden. Hier werden Körperfunktionen mit speziellen Überwachungsverfahren engmaschig kontrolliert.

Alle diese Betten sind mit einer Monitoranlage (EKG, Blutdruck-, Sauerstoffsättigungs- und Atemfrequenzmessung) sowie weiterem Spezialequipment ausgerüstet (Infusionspumpen, Absaugsysteme). In Witzenhausen gibt es acht Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit. Im Notfall könnte dies durch die IMC-Betten auf 14 aufgestockt werden – aber ohne Beatmung bei den hinzukommenden sechs. Auf der Intensivstation Witzenhausen werden nur Covid-Patienten versorgt.

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