Aufschwung: Bauhandwerker weniger interessiert an öffentlichen Aufträgen

Des einen Freud, des anderen Leid: Weil die Baubranche derzeit alle Hände voll zu tun hat, erhalten Kommunen nur wenig Rückmeldung auf ihre Ausschreibungen. Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Eschwege. Der konjunkturelle Aufschwung in der Baubranche bringt neben den steigenden Gewerbesteuereinnahmen auch einige Probleme für die Kommunen im Werra-Meißner-Kreis mit sich. „Wir stellen fest, dass wir eine geringere Beteiligung bei Ausschreibungen haben“, sagt Bernd Westermann, Leiter der Witzenhäuser Bauverwaltung.

Dass die Projekte dadurch teurer werden, kann Westermann nicht bestätigen. „Ich beurteile das eher so, dass wir derzeit keine Wettbewerbskonstellation haben, die konkurrenzlos günstige Preise erwarten lässt.“ In Einzelfällen sei es auch schwierig, Architektur- oder Planungsbüros kurzfristig zu beauftragen. Generell sei der konjunkturelle Aufschwung jedoch erfreulich. Wünschenswert wäre dessen Nachhaltigkeit, weil dies dann für alle Beteiligten besser kalkulierbar wäre und Nachteile so eher ausgeglichen werden könnten.

„Für eine zeitnahe Umsetzung erhalten wir, nach Überredungskunst, meist nur ein oder zwei Angebote zurück – bei den Preisen haben wir schon keine Wahl mehr“, heißt es aus dem Eschweger Rathaus. Daher habe man einen für Juni bis August geplanten Umbau bereits im vergangenen Dezember ausgeschrieben und gute Resonanz erhalten. „Dafür liegen aber auch hier die Preise im Mittel mehr als 20 Prozent, im Einzelfall bis zu 100 Prozent, über den geschätzten Kosten.“ Aufgrund fehlender Haushaltsmittel musste in Bad Sooden-Allendorf die Ausschreibung für den Ausbau der Bürgersteige „An den Soleteichen“ samt Straßen- und Kanalbau aufgehoben werden, weil sie eine Kostensteigerung von 80 Prozent ergab: Statt 180 000 Euro lagen die Angebote bei 324 000 Euro – und das, obwohl deutschlandweit ausgeschrieben wurde. Dass der Bauboom zur Kostenexplosion führe, sei auch beim Gradierwerk festzustellen, dessen Sanierung nun 72,5 Prozent teurer ausfällt. „Das kann nur mit Leistungsminderungen abgefangen werden“, heißt es aus dem Rathaus.

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