Geburtstag in Eschwege

Fragen und Antworten zum Auftritt von Rolf Hochhuth in Eschwege

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Rolf Hochhuth liest aus seinen Schriften anlässlich seines 86. Geburtstags: Unter diesem Titel präsentiert die Werra-Rundschau den Dramatiker am 1. April. 

Eschwege. Nach vielen Jahren der Abwesenheit kehrt der Dramatiker Rolf Hochhuth für eine Lesung in seine Heimatstadt zurück. Am 1. April präsentiert die Werra-Rundschau ab 19 Uhr eine Lesung in der Stadthalle. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Auftritt.

Für viele Ältere ist der Name Rolf Hochhuth ein fester Begriff. Jüngere Menschen tun sich schwer mit dem Schriftsteller. Wer ist dieser Rolf Hochhuth eigentlich?

Rolf Hochhuth wurde am 1. April 1931 in Eschwege geboren. Nach der Mittleren Reife verließ er das Gymnasium, um eine Lehre zum Buchhändler zu machen. Er begann eine Lehre in der Buchhandlung Vollprecht am Stad, später in Marburg und München. „Ich wollte Buchhändler werden, weil Sie sich unsterblich lächerlich machen, wenn sie sagen ,Ich will Schriftsteller werden’“, sagte er im vergangenen Jahr im WR-Interview. 1955 trat Hochhuth als Verlagslektor in den Bertelsmann-Lesering ein. Anschließend begann er Bücher zu veröffentlichen. Hochhuth ist zum vierten Mal verheiratet und hat drei Söhne.

Warum gilt er als bedeutendster Dramatiker des 20. Jahrhunderts?

Hochhuth ist ein maßgeblicher Anreger des Dokumentartheaters. Internationalen Erfolg erzielte er mit dem christlichen Trauerspiel „Der Stellvertreter“. Als rigoroser Moralist und Mahner setzte sich Hochhuth wiederholt mit der NS-Vergangenheit und aktuellen politischen und sozialen Fragestellungen auseinander. In einer Vielzahl offener Briefe versuchte er seit den 1960er-Jahren Einfluss auf die Politik zu nehmen und fordert deren „moralische Erneuerung“. „Der Stellvertreter“ behandelt die Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber dem Holocaust und löste nach der Premiere 1963 die bis dahin größte Theaterdebatte der Bundesrepublik Deutschland aus. 1978 entfachte Hochhuth die Diskussion um die Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger als NS-Richter. Ein halbes Jahr später musste Filbinger alle Ämter niederlegen.

Hochhuth hatte viele Jahre ein angespanntes Verhältnis zu seiner Heimatstadt. Warum?

Der 47-jährige Hochhuth hatte 1978 den Wunsch geäußert, auf dem Eschweger Friedhof neben dem Familiengrab bestattet zu werden. Der Platz wurde gerade frei. Die Friedhofsordnung sollte eine langfristige Reservierung nicht mehr vorsehen, woraufhin Hochhuth sich mit Pfarrer und Bürgermeister anlegte. Beide blieben hart und Hochhuth bekam den Platz nicht, woraufhin er im Merian die Erlebnisse aus seiner Sicht schriftlich verarbeitete. Seitdem war Hochhuths Verhältnis zur Stadt angespannt. 2001 nahm er allerdings die Ehrenplakette der Stadt an und zeigte sich anschließend versöhnlich.

Aber es gibt in Eschwege doch eine Hochhuthstraße?

Die ist nicht nach dem Dramatiker Hochhuth benannt. Straßennamen werden nur an verstorbene Persönlichkeiten vergeben. Die Hochhuthstraße auf der Struth heißt schon seit 1921 so und wurde nach seinem Vorfahr, dem Heimathistoriker Johann Christoph Hochhuth benannt. Die ersten Häuser wurden hier 1923/24 bezogen.

Wie kommt es, dass er jetzt doch nach Eschwege zurückkehrt?Seit dem Sommer pflegt Hochhuth Kontakt zur Redaktion der Werra-Rundschau. Über die Anfrage der Heimatzeitung, zu einer Lesung nach Eschwege zu kommen, hat er sich sehr gefreut und sofort zugesagt. Hochhuth hatte den Wunsch geäußert, seinen 86. Geburtstag in Eschwege zu feiern.

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