Zeichen der Erinnerung 

Aufwind und Kirchenkreis wollen Eschweger Opfern der NS-Euthanasie gedenken

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Aufwind und Dekanat Eschwege gedenken der Opfer der NS-Euthanasie: (von links) Dr. Manfred Zimmer, Anna Maria Zimmer, Landrat Stefan Reuß, Andrea Röth-Heinemann, Dekan Dr. Martin Arnold und der Künstler Lutz Kirchner.

Eschwege. Ein Zeichen der Erinnerung für die Opfer der NS-Euthanasie setzen – das ist das gemeinsame Vorhaben von Aufwind, des Vereins für seelische Gesundheit und des Dekans des Kirchenkreises Eschwege, Dr. Martin Arnold.

Zusammen mit dem verantwortlichen Künstler und Interessierten wurde nun im Aufwind-Café Brise, Brühl 6 in Eschwege, die Umsetzung diskutiert. „Es gab Menschen, die viel Unrecht erlebt haben, an die bisher aber gar nicht gedacht worden ist. Nämlich Menschen mit seelischer Krankheit“, fasste Arnold das zusammen, was er bei seiner Forschungsarbeit herausgefunden hat.

Zwischen den Jahren 1940 und 1944 wurden mindestens 33 Menschen aus dem Raum Eschwege im Rahmen des NS-Euthanasie-Programms umgebracht, weil sie aufgrund ihrer Behinderung als „Ballastexistenzen“ galten. Deshalb soll jetzt an der Wohn-Pflege-Einrichtung im Brühl ein Ort des Gedenkens installiert werden. Der verantwortliche Künstler aus Kassel, Lutz Kirchner, stellte am Mittwochabend die Idee dazu vor. Demnach soll um das Haus ein Fries mit den Namen der Opfer installiert werden. Die Buchstaben der Namen werden dafür aus dem Glaskonstrukt herausgeschnitten, um daraus die Wortkombination „Liebenswert. Lebenswert“ zu bilden, die an den beiden Stufen der Eingangstreppe angebracht werden soll.

Den ernsten Hintergrund soll eine Informationstafel mit QR-Code erklären. „Es geht darum, den Leuten ihren Namen und ihre Würde zurückzugeben“, sagte Aufwind-Vorstand Hartmut Kleiber. Eine neue Idee brachte Landrat Stefan Reuß in die Planung ein. Er regte an, auch die Werraland Werkstätten mit in das Projekt zu integrieren: „Ich könnte mir vorstellen, durch das Kunstwerk Aufwind und Werraland zu verbinden, um das Ganze erlebbar zu machen.“

Die Idee fand Anklang und soll nun in den weiteren Schritten konkretisiert werden. „Wir sind im Prozess. Das wird sich noch entwickeln“, versprach Kirchner, der am Ende des Abends neue Inspirationen für seine Arbeit mitnehmen konnte.

Von Lukas Sennhenn

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