Ausflugstipp: Tag des offenen Gartens mit Zielen in Eschwege und Hoheneiche

Augenweiden mit System

Grünes Paradies: Die geborgte Landschaft nennen es Chinesen, wenn der eigene Garten nahtlos in die Umgebung übergeht wie hier die Berge östlich von Hoheneiche. Hier haben sich Siegrid und Klaus Ulrich Helmert in 23 Jahren ein Paradies geschaffen, einen Garten für zwei. Fotos: Mayer

Es muss nicht grell sein und der dichte Bewuchs ist beabsichtigt, sagt Hildegard Möller. Ihr Garten in der Friedrich-Hoßbach-Straße in Eschwege scheint auf den ersten Blick kein System zu haben, und das ist teilweise auch so gewollt.

„Wir probieren gern aus“, sagt Ingo Möller, „aber entworfen wurden große Teile des Gartens am Reißbrett, sonst verliert man den Überblick“, verweist er doch auf das Vorhandensein eines Systems.

Aber das sieht der Laie nicht, weil starke Wuchserpflanzen sich Platz verschaffen und mit anderen klarkommen müssen wie beispielsweise die Lampionblume und der Knöterich. Farne, Stauden und Flächenpflanzungen beherrschen das Bild. Blickfänge sind Möllers wichtiger als Blüten, auch Unkraut kann was Schönes sein. Die Kompostwirtschaft ist einmalig, alles wird auf dem eigenen Grundstück recycelt, aus einem Haufen wachsen sogar Zucchinis. Im Teich gibt es keine Fische, deshalb ist das Wasser klar, nur Molche haben hier ein Domizil. Eine Rarität ist der Blumenhartriegel, dessen seltene Exemplare weltweit nummeriert sind. Selbst Möllers Wintergarten hat Exotisches zu bieten, alle Pflanzen haben ihre Wurzeln im natürlichen Boden, unter dem gefliesten Teil ist ein 16 Kubikmeter Regenwasser- speicher. Ein Blütenmeer gezielt zum Tag des offenen Gartens, damit können Ingo und Hildegard Möller nicht aufwarten, Dafür gibt es in diesem 1850 Quadratmeter großen Garten ganzjährig etwas zu entdecken.

Eine andere Dimension hat der Garten von Klaus Ulrich und Siegrid Helmert in Hoheneiche. Vom engen, formalen Teil am Eingang führen die Wege ins Weite, in einen Landschaftsgarten mit 20 Sitzgelegenheiten in Ecken, Nischen, an Büschen und unter Bäumen. Jeder dieser Plätze befindet sich am Beginn einer Sichtschneise, die den Blick des Sitzenden auf eine markante Stelle oder einen Gegenstand lenkt.

Sieben Bäume hat es bei Unwettern erwischt, was Lücken hinterließ, aber auch zu neuer Gestaltung anregte, sagt Siegrid Helmert. In ihrem Gartenmix aus Kultur und Natur bleibt das Laub im Herbst liegen, nur das von Kastanie und Walnussbaum wird wegen Schädlingen entfernt.

Der in 23 Jahren aus Streuobstwiese und Brennnesseln gewachsene Garten ist besonders reizvoll während der Rosenblüte. Nur wild- und in großen Büschen wachsende übrigens, keine einzelne Edelrose findet sich hier. Darunter die Sorte Rampler aus England, bis zu fünf Meter im Jahr wachsend. Die Weitläufigkeit auf 6000 Quadratmetern, die Sitzgelegenheiten und stets ein hübscher Ausblick, wo man sich auch befindet, machen die besondere Note des Areals aus, wegen der hohen Stöcke/Büsche von beeindruckten Besuchern auch Rosengarten genannt. Enge Wege im Vorderteil wachsen allmählich zu, man kann im Gehen die Hände über die Buchshecken streichen lassen.

Die Helmerts mögen das Zuwachsen, lassen es altersbedingt langsamer angehen. Einen halben Tag arbeiten, einen halben Tag geniessen, so lautet ihre Gartenphilosophie. Mit grenzenlosem Vogelreichtum und -gezwitscher, Waschbären und drei Igelfamilien leben sie in Einklang mit ihrem Garten.

Bilder aus den Gärten

Bilder aus den Gärten

 Ausschließlich gegen Anmeldung, am Tag des offenen Gartens ausnahmsweise ohne, lassen sie Gäste gern teilhaben. Das Anwesen erklärt sich dem Betrachter erst, wenn die dahinter steckenden Ideen von den Eigentümern erläutert werden, die Fragen gern beantworten und Ratschläge für den Garten zu Hause geben.

Möllers und Helmerts freuen sich auf viele Gäste am kommenden Sonntag.

Von Helmut Mayer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare