Sommerferien sind Hochzeit

Ausgesetzte Haustiere schaden Wild: Jagdverein appelliert an Halter

Ein ausgesetzter Hund sitzt mit seiner Leine am Straßenrand.
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Kein seltenes Bild in diesen Wochen: Rund 500 000 Haustiere werden nach Schätzungen der Tierschutzverbände jährlich ausgesetzt. Hochzeit sind die Sommerferien. Um zu überleben, töten sie heimische Wildtiere.

Der Jagdverein Hubertus Eschwege ruft in der Ferienzeit alle Tierhalter zu verantwortungsbewusstem Verhalten auf. Das Ziel: Nicht die eigenen Tiere aussetzen.

Eschwege - Der Appell resultiert aus Erfahrung: „Mit der Urlaubszeit beginnt für viele Hunde, Katzen und andere Haustiere eine Odyssee des Leidens“, sagt Jörg Brauneis, Sprecher des Jagdvereins Hubertus Eschwege. Weil sie von den Besitzern auf einmal als Hindernis für die Urlaubsplanung empfunden werden, würden die Tiere oft ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.

Aber warum interessiert dieses Problem den heimischen Jagdverein? Ausgesetzte Haustiere könnten auch den Wildtieren schaden. „In ihrer Not versuchen sich die ausgesetzten Hunde und Katzen durch das Reißen von Wildtieren über die Runden zu bringen“, sagt Brauneis.

Tierschutzverbände: 500.000 Haustiere werden jährlich ausgesetzt

Waren Haustiere während der Zeit des Lockdowns in der Corona-Pandemie noch wichtige und geliebte Gefährten, ist es mit dem Beginn der Sommerferien nicht selten vorbei mit der Tierliebe: Hunde, Katzen, aber auch Kleintiere wie Vögel und Reptilien enden auf Autobahnraststätten oder im Wald. Rund 500.000 Haustiere werden nach Schätzungen der Tierschutzverbände jährlich ausgesetzt. Die Jägerschaft appelliert daher an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter und weist auf die Folgeschäden für die heimische Tierwelt hin.

„Zur Urlaubsplanung gehört auch, eine Bleibe fürs Haustier zu organisieren“, sagt Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Eschwege. „Aussetzen ist keine Lösung und hat schwerwiegende Folgen für die heimische Artenvielfalt.“

Ausgesetzte Haustiere schaden Wild: Geldstrafen bis zu 25.000 Euro

Um zu überleben, gehen Hunde und Katzen notgedrungen auf Jagd und erbeuten kleine und größere Wildtiere, aber auch bedrohte Singvögel oder Amphibien. Nach DJV-Hochrechnungen töten allein verwilderte Hauskatzen in Deutschland jährlich 100 Millionen Vögel sowie 300 Millionen Säugetiere und Reptilien. Ausgesetzte exotische Tiere wie zum Beispiel die Schmuckschildkröte verdrängen heimische Arten.

Laut Tierschutzgesetz ist das Aussetzen und Zurücklassen von Tieren im Übrigen verboten und wird mit Geldstrafen von bis zu 25 000 Euro geahndet. Gefundene Tiere sollten im zuständigen Tierheim, bei Feuerwehr oder Polizei abgegeben werden.

Inzwischen gibt es bundesweit zahlreiche haustierfreundliche Ferienunterkünfte. Für Tiere, die nicht gut mit Veränderungen zurechtkommen, sind Freunde, Familie oder Tiersitter eine Option. Auch Tierpensionen helfen weiter, wenn es um die Suche nach einer geeigneten Übergangsbleibe geht.

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