Von den Toten lernen

300 Besucher wollen Ausstellung mit echten menschlichen Körpern sehen

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Von den Toten lernen: Studentin Fiona Söhngen begeistert sich für Medizin und ist fasziniert von den Leichen.

Eine Wanderausstellung mit 200 echten menschlichen Exponaten gastierte am Wochenende in der Jahnturnhalle in Eschwege. Insgesamt besuchten zirka 300 Menschen die Ausstellung.

 „Wir kommen aus Holland und waren auf der Durchreise durch Hessen. Wir haben die Plakate gesehen und sind spontan zur Ausstellung gefahren“, erzählt die Niederländerin Else Jansen.

Insgesamt besuchten zirka 300 Menschen am Wochenende die Ausstellung „Echte Körper – von den Toten lernen“. Von Schülern und Studierenden über Familien mit Kindern bis hin zu Erwachsenen und Senioren waren alle Altersstufen vertreten, um von konservierten menschlichen Körpern, Organen und Nachbildungen zu lernen.

Die Ausstellung bietet Schülern und Lehrern ein umfangreiches Bildungsangebot: Die anatomische Ausstellung befasst sich mit sämtlichen lehrplanrelevanten Themen der Klassenstufen sechs bis zwölf und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Weiterbildung in medizinischen Berufen.

Aus diesem Grund besuchte auch Anna Ferdinant mit ihrem Freund Philipp Stützer die Ausstellung. „Ich habe einen Pflegeberuf erlernt und möchte mir anhand der echten Ausstellungsstücke einen realen Eindruck vom menschlichen Körper verschaffen“, erzählt Ferdinant.

Die Themenschwerpunkte sind Skelett, Gehirn und Nervensystem, Herz und Blutkreislauf, Verdauungssystem, Atemwege und Lunge, Bewegungsapparat, Geschlechtsorgane, Nieren und Harnwege sowie die Sinnesorgane. Darüber hinaus gab es die Gelegenheit, sich ausführlich mit den Themen Organspende, Krebs, Aids, Alkohol und Nikotin auseinanderzusetzen.

Die gezeigten plastinierten Exponate sind eine Leihgabe der Firma Corcoran Laboratories, Michigan (USA) – dem führenden amerikanischen Hersteller medizinischer Präparate für medizinische Fakultäten. Die amerikanischen Körperspender haben zu Lebzeiten darüber verfügt, dass ihr Körper nach ihrem Ableben der Ausbildung von Medizinern sowie der Aufklärung von Laien zur Verfügung stehen soll.

In den USA ist das keine Seltenheit, denn es spenden jährlich etwa 20.000 Menschen ihre Körper der Anatomie. „Ich finde es total faszinierend, mir die ausgestellten Leichen anzuschauen. Das ist viel spannender, als bei Plastikimitaten“, meint die Biochemie-Studentin Fiona Söhngen. Die Würde der Toten wird auch weiterhin geachtet, indem die Exponate in Glasvitrinen präsentiert werden. So wurde bei der Ausstellung auch auf unnatürliche Posen und Effekthascherei bewusst verzichtet.

Doch nicht nur Studierende und Auszubildende trieb es in die Ausstellung. Thorsten Exner besuchte die Ausstellung mit seinen zwei Söhnen. Der Ergotherapeut aus Eschwege kennt sich gut aus und teilte freudig sein medizinisches Wissen seinen Kindern mit. „Ich habe momentan im Bio-Unterricht den Aufbau vom Körper“ erzählte einer der Söhne.

Der nächste Standort der Ausstellung wird in Brilon sein. Bis dahin heißt es für die Mitarbeiter der Veranstaltung erneut: Abbau und Aufbau aller Exponate.

Von Carolin Eberth

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