Vier Brücken gibt es bereits

Autobahn 44: Jäger helfen bei den Plänen für die Grünbrücken

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Fügen sich ein: Die Grünbrücken über die Autobahn 44 sollen vor allem den großen Säugetieren helfen, die künftige Autobahn sicher zu queren.

Eschwege. Insgesamt vier Grünbrücken über die Autobahn 44 gibt es bereits: Bei den Planungen haben Jäger aus der Region mit ihrem Wissen über die Routen der Wildtiere geholfen.

Eine fünfte Grünbrücke ist gerade in Planung. Doch woher wissen die Autobahn-Planer eigentlich, wo diese Brücken für den Wildwechsel Sinn machen? Hilfe dabei hatten sie von den Jägern in der Region: Durch das Naturschutzengagement der Jäger konnten an der Autobahn 44 bisher vier Grünbrücken für Wildtiere – bei Küchen, Hasselbach, Harmuthsachsen und Waldkappel – realisiert werden. Eine weitere Grünbrücke bei Helsa, die den alten Fernwechsel vom Stiftswald zum Kaufunger Wald und zum Meißner aufrechterhalten soll, ist in konkreter Planung.

Autobahn zerschneidet einen bislang unberührten Naturraum

Die A 44, die derzeit durch das nordhessische Bergland zwischen Kassel und Eisenach gebaut wird, füge der empfindlichen Naturlandschaft der nordosthessischen Mittelgebirge erhebliche Schäden zu, sagt Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege: „Vor allem aber zerschneidet die Autobahn einen der letzten bisher unzerschnittenen Naturräume Hessens“.

Dies sei von besonderer Bedeutung, da hier zahlreiche, in anderen Regionen Deutschlands längst ausgestorbene oder selten gewordene große Säugetiere leben, für die die neue Autobahn ein erhebliches Wanderungshindernis darstelle, sodass genetische Isolation und sogar das Aussterben von Teilpopulationen drohen. Hier nennt Brauneis in erster Linie das Rotwild und die Wildkatze. „Sie besitzen in Nordosthessen eines ihrer größten zusammenhängenden Vorkommen in Mitteldeutschland, die in einem genetischen Austausch mit den Vorkommen im Harz und im Thüringer Wald stehen“, sagt der Jäger.

Grünbrücken sind wichtiges Instrument zum Tierschutz

Sicherer Überweg: Dank der Grünbrücke können die Wildtiere ihrer natürlichen Route folgen.

Daher sei es das Bestreben der Jägerschaft gewesen, vom Beginn der Autobahnplanung an ihr wildbiologisches Fachwissen in den Planungsprozess einzubringen, um den Zerschneidungseffekt der Autobahntrasse möglichst zu mindern. Das wichtigste Instrument dazu ist laut Brauneis der Bau von Grünbrücken.

„Nur die Jäger wissen, wo die uralten Fernwechsel des Rotwildes die Täler von Losse, Wehre, Sontra und Ulfe queren, wo also die Tiere vom Kaufunger Wald und Meißner zum Stiftswald bei Kaufungen oder in den Riedforst nördlich von Spangenberg wechseln“, sagt Brauneis. Auch die Fernwechsel vom Seulingswald in den Ringgau und zum Thüringer Wald sollten möglichst erhalten bleiben.

Koordiniert wurden die Forderungen der Jägerschaft an die Straßenbauverwaltung vom Referenten für Naturschutz und Wildbiologie des Landesjagdverbands Hessen, Rolf-Walter Becker, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Lebensraum des Rotwildrings Meißner-Kaufunger Wald. Genutzt werden diese Grünbrücken nicht nur von Rothirschen und Wildkatzen, sondern von fast allen wild lebenden Tieren bis hin zu den Kleinsäugern, aber auch von Vögeln, Fledermäusen und Schmetterlingen.

Tunnel sind weitere wichtige Instrumente

„Aber nicht nur die Grünbrücken mindern den Zerschneidungseffekt der Autobahn in der Landschaft. Auch die vielen, zum Teil kilometerlangen Tunnel wie etwa bei Hirschhagen, die den Autobahnbau leider auch so teuer machen, wirken gleichzeitig positiv für die Tiere als natürliche Grünbrücken“, betonte Rolf-Walter Becker. Es sei das Bemühen der Jägerschaft, bei großen Infrastrukturprojekten wie der A 44 darauf zu achten, dass die Lebensinteressen der großen Säugetiere ausreichend berücksichtigt werden. (red/dir)

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