Autor Niklas Frank hat NS-Verbrechen seiner Familie aufgearbeitet

VHS-Vortrag: Das „Täterkind“ Niklas Frank las aus seinem Buch „Der Vater. Eine Abrechnung“ in dem er die Nazi-Vergangenheit seines Vaters, Hitlers Rechtsanwalt Hans Niklas , aufarbeitete. Foto: Weber

Eschwege. Niklas Frank schreibt gegen seine Wut an. Die Wut darüber, dass die Verbrechen Deutschlands in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute immer wieder relativiert werden.

Er möchte das nicht tun, deshalb hat er 1987 ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Der Vater. Eine Abrechnung.“

Sein Vater, das war Hans Michael Frank, Hitlers Rechtsanwalt und später Generalgouverneur des besetzten Polen. Er wurde der „Judenschlächter von Krakau“ genannt. Auf Einladung des Geschichtsvereins und der Volkshochschule las der Autor in der Aula der VHS in Eschwege aus seinen Büchern und diskutierte mit dem Publikum. Niklas Frank sagt: „Mein Vater war unendlich verliebt in Hitler“. Und selbst bis zu seiner Hinrichtung 1946 wollte Hans Frank seine Verbrechen nicht einsehen oder tatsächlich bereuen.

„Mein Vater war unendlich verliebt in Hitler“.

Sein Sohn Niklas war damals sechs Jahre alt. „Ich habe im Zuge der Nürnberger Prozesse die Bilder der Leichen der Opfer gesehen und selbst mir als Kind war damals klar, dass das, was der Vati getan hat, falsch gewesen war.“ In seinen Büchern ist Niklas Frank deshalb mit seiner ganzen Familie ins Gericht gegangen, hat ihre Taten im Dritten Reich aufgearbeitet, als die Geschichte von Menschen, die von dem Unrechtssystem profitierten, die im Dunstkreis von Hitler gesellschaftlich Karriere machten und ihre Machtstellung genossen. Verständnis möchte Niklas Frank dafür nicht aufbringen.

Zu einer Versöhnung ist er nicht bereit. Seine Erklärung für die Taten seines Vaters liefert er rational und mit einem Hauch Zynismus und enthüllt damit die Verblendung der Verantwortlichen: „Mein Vater stammte aus einer deutschen Mittelklassefamilie. Als die glänzende Herrlichkeit des Kaiserreichs zu Ende ging, als die Wirtschaftskrise zuschlug, konnte er das nicht verwinden. Er sagte damals, es müsse jemand kommen, der Deutschland seine Ehre wiedergebe.“

Dafür dass sein Vater daran mitgearbeitet habe, dieses Ziel mit entsetzlichen Mitteln zu erreichen, habe er den Tod verdient. Genüsslich, offen und mit emotionaler Härte hat Niklas Frank den letzten Gang seines Vaters von der Todeszelle zum Galgen ausgemalt. „Das Knacken des Genicks konnte man laut in der Turnhalle hören“, schreibt er. Und er ist froh darüber.

Was ihn traurig macht, ist, dass so wenige den Mut haben, sich der Vergangenheit ihrer Familien offen zu stellen.

Von Kristin Weber

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