Startveranstaltung zum Masterplan Inklusion: Austausch über Ideen und Herausforderungen im E-Werk

Barrieren in den Köpfen abbauen

Bewusstsein schaffen: „Als Rollstuhlfahrerin wünsche ich mir, mehr Leute würden auf mich zukommen, mich ansprechen, so dass ich das Leben nicht wie durch ein Fenster betrachten muss“, sagt Belinda Simpson.

Eschwege. Wie kann man Menschen mit einer Behinderung stärker in die Gesellschaft einbinden? Über diese Frage dachten im Eschweger E-Werk rund 130 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie von Wohlfahrtsverbänden, Interessens- und Selbsthilfegruppen nach.

Aber auch interessierte Bürger schlossen sich der Diskussion und Ideenfindung an.

Mit dem etwas abstrakten Stichwort „Inklusion“ auf den Fahnen geht es nicht allein darum, Barrieren abzubauen - sowohl bauliche Barrieren in und an Gebäuden, sondern auch geistige Barrieren in den Köpfen. „Inklusion bedeutet aber vor allem, dass wir für Menschen mit Behinderung nicht Sonderräume schaffen, sondern im Gegenteil, sie aus den Sonderräumen herausholen und eine gemeinsame Welt für alle schaffen “, sagt der Leiter der Werraland-Werkstätten, Gerd Hoßbach.

„Dass es Werkstätten für Menschen mit Behinderung gibt, ist sehr gut“, sagt Klaus-Dieter Breitbarth, der als Werkstattrat in den Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege für die Interessen der Beschäftigten eintritt. „Für unser Selbstbewusstsein ist es aber bedeutsam, dass wir auch die Möglichkeit haben, aus der Werkstatt heraus in die Welt des ersten Arbeitsmarktes treten zu können.“ Für Aufwind-Vorstandsmitglied Hartmut Kleiber ist es wichtig, einen gesellschaftlichen Umbruchprozess anzuschieben, mit dem man von der Selektion von Gruppen wegkommt.

Als eine von sechs Modellregionen in Hessen steht der Werra-Meißner-Kreis vor der Aufgabe, Ideen und Lösungen zu finden, Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen oder auch Suchtkranke in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Mit der unterschriebenen Zielvereinbarung zwischen dem Kreis und dem Sozialministerium wurden 100 000 Euro für Projekte zur Verfügung gestellt. Ein Masterplan muss nun her. Deshalb wurde im E-Werk über mögliche Strategien, Projekte und Anregungen zum Weiterdenken in den Bereichen Kultur und Freizeit, Wohnen, Kita und Schule sowie Arbeiten intensiv nachgedacht.

Eine Befragung von über 150 Vereinen und Institutionen im Kreis ergab, dass die meisten Angebote, die sich auch an Menschen mit Behinderung richten, in den Bereichen Sport und Kultur bestehen und dass diese Gebrauch von Bildungs- oder Beratungsangeboten machen. Doch erst die Hälfte der Vereine hat über das Thema nachgedacht, die immerhin 25 000 Menschen mit Behinderung im Kreis stärker in das Vereinsleben einzubinden.

Von Kristin Weber

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