Die Baubranche boomt, aber Fachkräfte fehlen

Morgen ist der Tag des Handwerks: Mit vielen Artikeln zu unterschiedlichen Aspekten beleuchten wir in der gesamten Ausgabe die Lage. Unser Bild entstand im Berufsbildungszentrum in Kassel. Foto:  Koch

Werra-Meißner. Die Auftragsbücher der heimischen Bauunternehmen sind momentan wegen der günstigen Zinsen voll bis oben hin. Im Gegenzug aber besteht akuter Fachkräftemangel. „Die Lage ist kastrophal“, sagt Robert Kunz, Obermeister der Bau-Innung im Landkreis.

Saisonal bedingt brumme das Geschäft momentan vor allem im Hochbau. „Und generell wird im gewerblichen sowie öffentlichen Bereich aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sehr viel investiert“, so Kunz. Klingt erst mal gut, ist aber wegen der angesprochenen Problematik derzeit schwer zu schultern.

Kürzlich seien laut Kunz nur zwei Jung-Gesellen für Hochbau freigesprochen worden. „Allein in meinem Unternehmen in Witzenhausen gehen in kürzester Zeit vier Leute in Rente. Da kann man sich vorstellen, wie schwer es ist, geeignetes Personal zu finden. Wir haben 50 Prozent Leiharbeiter.“ Mittlerweile falle es sogar schwer, die Mindestanzahl von 15 Azubis für eine Berufsschulklasse in Eschwege vollzubekommen. „Da müssen teilweise Zimmerer zum Auffüllen mit rein“, sagt Kunz.

Was die Ursachen sind? „Viele junge Leute gehen heute so lange zur Schule wie möglich, statt früh eine Ausbildung zu beginnen. Und mehr Leute wollen Studieren als früher“, berichtet Robert Kunz. Es sei jetzt schon so weit, dass die Facharbeiter wegen des geringen Angebots das Gehalt diktieren würden. „Irgendwann wird es also für die Kunden teurer. Das ist absolut ungesund“, meint Kunz.

Ähnlich fällt die Einschätzung von Klaus Wiegand, Geschäftsführer des Unternehmens Küllmer-Bau in Reichensachsen, aus. „Der Fachkräfte-Markt ist leer. Es ist ein echtes Problem“, sagt er. Es würden immer weniger Bewerbungen eingehen und auch die Qualität sinke. „Natürlich wollen wir aber weiter selbst und gut ausbilden. Um entgegenzuwirken, wirbt der Bau in Schulen.“ 

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