Den Bauern steht die Gülle bald bis zum Hals

Werra-Meißner. Der besorgte Blick der Bauern auf ihr Land ergibt seit Tagen und Wochen keine Änderung: alles voller Wasser. Und das bedeutet für die Viehhalter nichts Gutes: Ihre Gülletanks werden voller und voller.

Ab Februar zwar dürften sie erst wieder geleert werden, aber nur dann, wenn die Felder die Mischung aus Jauche und Kot der Tiere auch aufnehmen können. Geht das nicht, konkret wenn die Äcker mit Wasser vollgesaugt oder tiefgefroren oder schneebedeckt sind, ist das Jauchen auch nach der Sperrzeit über Winter verboten.

2017 seien über 1000 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter gefallen, und zwar überwiegend im Herbst, erklärt Vorsitzender Torsten Möller vom Kreisbauernverband Werra-Meißner, wie gesättigt die Flächen sind. Zugleich macht er damit deutlich, dass bis zum Beginn der Sperrfrist am 1. November Gülle schon nicht mehr rausgefahren werden konnte und die Behälter entsprechend nicht leer wurden. Und nun „füllen sich die Pötte zusehends“. Denn die Tiere könne man im Gegensatz zu Maschinen nicht einfach abschalten.

Immerhin, weiß Landwirt Möller von seinen Kollegen, sei die Situation zwar angespannt, aber bis Ende Januar käme man „noch hin“. Und wenn es bei dem einen oder anderen der rund 70 noch existierenden hauptberuflichen Milchviehhalter im Landkreis doch noch eng wird, dann bleiben laut dem Verbandsvorsitzenden zwei Ausweich-Alternativen: Entweder freie Lagerkapazitäten bei einem Betrieb in der Nachbarschaft finden oder eine Güllelagune auf einem Acker anlegen, was aber aufgrund der Abdichtvorgaben recht kostspielig sei. So hofft Möller für sich und alle anderen Rinder- und Schweinehalter auf Witterungsverhältnisse ab Februar, „die es ermöglichen, wieder auf die Felder zu fahren“. Schließlich sei die Gülle weniger Abfallprodukt als vielmehr „wertvoller Dünger“. Denn, so sagt er: „Ohne Nährstoffzufuhr wächst nichts.“ 

Rubriklistenbild: © picture alliance / Carsten Rehde

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