Bauern vermarkten ihre Produkte selbst, um Höfe abzusichern

Werra-Meißner. Ob Milch- oder Eierautomat, Lieferservice oder Kooperation mit Supermärkten – die Direktvermarktung ihrer Produkte wird für die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis immer wichtiger, um ihre Höfe gegen Krisensituationen abzusichern. Zwar gibt es laut Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, keine Statistik darüber, wie viele Landwirte im Kreis die Direktvermarktung nutzen.

 „Es haben sich aber schon knapp 120 gemeldet, die im Einkaufsführer „Regionale Entdeckungen“ aufgenommen werden wollten.“ Zudem gibt es eine Dunkelziffer, denn manche Landwirte geben ihre Produkte auch unter der Hand ab. Ulrich Hamm, Professor für Lebensmittelmarketing am Uni-Standort Witzenhausen, schätzt, dass in Deutschland nur drei bis sieben Prozent aller Umsätze in der Landwirtschaft über Direktvermarktung erwirtschaftet werden – aber die Tendenz steigt. Bereits in den 1980er-Jahren setzten Biobauern auf den direkten Verkauf, sagt Hamm. Wer damals auf Bio umstellte, habe es aus Überzeugung getan, eine Förderung dieser Projekte gab es nicht. Um an das nötige Kapital zu kommen, verpflichteten sich die Bio-Bauern, ihre Kunden regelmäßig direkt mit Lebensmitteln zu versorgen. Seit etwa fünf Jahren ziehen konventionelle Betriebe verstärkt nach. Vor allem für Produzenten von Milch, Käse, Fleisch und Eiern sei dieser Vertriebsweg lukrativ, so Hamm. „Die Verbraucher interessieren sich heute mehr für das Tierwohl – und sie sind zunehmend bereit, dafür mehr zu bezahlen.“ Ein Rettungsring ist die Direktvermarktung trotzdem nicht. „Wenn einem Landwirt das Wasser schon bis zum Hals steht, ist es zu spät“, sagt Hamm. Nur mit einem guten Konzept, einer soliden Kalkulation und Investitionen in Einrichtung und Werbung könne der Einstieg gelingen. Man müsse sich einen Kundenstamm aufbauen, das könne zwei bis drei Jahre dauern, so lange blieben Gewinne oft aus.

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