Situation im Handwerk

Baugewerbe hat trotz Krise gut zu tun - andere Handwerksbetriebe haben Totalausfälle

Unterschiedlich wirken sich die gegenwärtigen Einschränkungen auf das Handwerk im Kreis aus. Friseure, Gastronomie und Hotelerie haben Totalausfälle, im Baugewerbe ist viel zu tun

Bäckereien und Konditoreien melden Verluste, soweit sie Bewirtschaftung anbieten. Das berichten Kreishandwerksmeister Hubertus Erner und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stephan Schenker.

Baugewerbe

In den technischen Bereichen bereiten dem Handwerk nach Angaben Schenkers lange Lieferzeiten Sorge., beispielsweise bei Heizungen. „Probleme“, so Kreishandwerksmeister Erner, „gibt es für Eltern auch mit der Betreuung ihrer Kinder.“ „Das Baugewerbe hat nach wie vor gut zu tun“, berichtet Schenker.

Von Kollegen in anderen Regionen wisse er, so der Geschäftsführer, dass dort Schwierigkeiten auftreten, weil Bauanträge mit Verzögerung bearbeitet würden. Dieses Problem gebe es im Werra-Meißner-Kreis nicht. 

Stephan SchenkerKreishandwerkerschaft

Schenker berichtet von Verunsicherung bei den Verbrauchern in Zusammenhang mit der Wartung technischer Einrichtungen. „Manche wollen Handwerker aus Angst vor Ansteckung nicht ins Haus lassen“, so Schenker. Der Service könne allerdings unter Einhaltung der Abstandsregeln oder auch komplett kontaktlos erfolgen. 

Bäckereien

Umsatzeinbrüche hätten insbesondere Bäckereien mit Kantinen- und Krankenhauslieferverträgen hinzunehmen. Die Verluste würden zum Teil durch den besser laufenden mobilen Verkauf kompensiert.

Berufsschule

Während der Zwangspause der Berufsschule wurden die Auszubildenden auf elektronischem Weg mit den Lerninhalten versorgt. „Eine wirkliche Alternative zum normalen Unterricht kann das nicht sein“, sagt Schenker. Kreishandwerksmeister Hubertus Erner hofft auf „einen Kompromis zwischen Präsenz- und elektronischem Unterricht“ in der theoretischen Ausbildung. Die Gesellenprüfungen – davon geht Schenker aus – sollen bis zum 31. Juli abgeschlossen sein. „Wir gehen davon aus, dass das Prüfungsgeschehen ganz regulär läuft.“ Die Neugesellen sollen zu einer späteren Freisprechungsfeier eingeladen werden.

Stephan SchenkerKreishandwerkerschaft

Das Ausbildungszentrum des Baugewerbes sollte zunächst weiterlaufen, wurde dann aber doch am 23. März geschlossen. Schenker: „Es ist beabsichtigt, am 4. Mai wieder aufzumachen.“ Unmittelbar vor der Prüfung abgesagt werden musste eine Polier-Prüfung, die für Ende März angesetzt war. Sie soll nachgeholt werden, sobald das möglich ist.

Video- und Telefonkonferenz auch im Handwerk

Fortschritte stellt der Kreishandwerksmeister in der Kommunikation der Gremien fest, die aus der Notlage entstanden sind. „Es muss nicht immer jeder bei jeder Konferenz präsent sein“, so Erners Erfahrungen mit Besprechungen per Video- und Telefonschaltung. Auch eine Lehrlingsstreitigkeit sei per Telefonkonferenz beraten worden, berichtet Schenker.  

Preiserhöhung bei Frisören?

„Deutlichen Preisanpassungen im zweistelligen Prozentbereich“ kündigt das Friseurhandwerk für die Zeit nach der Wiedereröffnug der Betriebe an. Die Hygiene- und Schutzauflagen von Bund und Land seien mit erheblichen Kosten verbunden, so die Obermeisterin der Friseur-Innung Kassel, Alexandra Kaske-Diekmann, in einer Stellungnahme. Es würden jede Menge Mund-Nasen-Schutz-Masken für Mitarbeiter und Kunden, Einweghandschuhe und Umhänge, Reinigungs- und Desinfektionsmittel benötigt, weil keine Abstandsregeln eingehalten werden könnten, benötigt. Arbeitsplätze und Werkzeuge müssten nach jedem Kunden aufwendiger gereinigt und desinfiziert werden, auch entstünden zusätzliche Zeiten der Reinigungskräfte nach Betriebsschluss. Hinzu kommt, dass durch den erhöhten Sicherheitsabstand zwischen einzelnen Kunden deutlich weniger Kunden gleichzeitig im Salon bedient werden könnten.

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