Baumriese auf dem Eschweger Friedhof wird gefällt

Wird nächste Woche gefällt: Die einhundert Jahre alte Rosskastanie auf dem Friedhof in Eschwege wird gefällt. Markus Reiter vom Bauhof sieht keinen anderen Weg. Foto: Sagawe

Eschwege. Seit rund einhundert Jahren steht die Rosskastanie auf dem Eschweger Friedhof gleich neben dem Ehrenmal. Jetzt muss der 25 Meter hohe Baum weichen.

Wegen einer Pilzerkrankung und fortgeschrittener Fäulnis im Stammfuß droht der Gigant umzufallen. „Uns bleibt nur dieser eine Weg“, sagt Markus Reiter, Gärtnermeister beim Bauhof der Kreisstadt Eschwege.

Ein Gutachten habe ergeben, dass es keine Möglichkeit gibt, den markanten Baum zu retten. „Das tut uns fürchterlich leid“, so Reiter, „Baumerhaltung geht bei uns grundsätzlich vor Fällung, aber hier ist nichts mehr zu machen.“ Es gebe keine andere Möglichkeit. Das liege auch daran, dass der Baumriese mit seiner gigantischen Krone komplett umzukippen drohe. Wären nur einzelne Äste eine Gefahr, könnten die Fachleute vom Bauhof gezielt eingreifen, um Gefahr für Passanten abzuwenden. In diesem Fall sei das aber nicht möglich. Selbst mit einer aufwendigen Reparatur wäre der Baum nicht zu retten. „Das ist keine Frage des Geldes“, sagt Reiter.

Durch den Pilzbefall sondere die Kastanie vermehrt Schleimfluss ab. Die Wasserleiter am Fuß des Stammes seien verstopft, dadurch die Nährstoffversorgung abgeschnitten. In der Folge ist der Baum gefault. „Das Gewebe hat sich zersetzt“, erklärt Reiter. Die kranken Stellen seien inzwischen von einem weiteren Pilz befallen.

Die Männer vom Bauhof beobachten die Rosskastanie jetzt seit fünf Jahren intensiv und stellen dabei zunehmenden Zerfall fest. Regelmäßig wurde Totholz ausgeschnitten. Zweimal im Jahr – einmal mit Laub und einmal ohne – werde kontrolliert. „Gerade weil der Baum so besonders ist, haben wir eine zweite Meinung eingeholt“, sagt Reiter. Der Gutachter bestätigt aber die Ansicht des Bauhofes. „Die Entscheidung wird außerdem von der Naturschutzbehörde getragen“, berichtet der Gärtnermeister.

Die Rosskastanie wird voraussichtlich in der kommenden Woche gefällt – vorausgesetzt, es bleibt bis dahin einigermaßen trocken. „Wir müssen einen Hubwagen einsetzen und benötigen dafür einen Untergrund, der die Belastungen aushält“, erklärt Reiter.

Zum Ausgleich werden drei neue Rosskastanien auf dem Friedhof gepflanzt. Eine soll an der Stelle eingesetzt werden, an der noch der kranke Baum steht.

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