Nachfolger für Apfelplantage gefunden

Bauschs Äpfel wachsen weiter

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Alec, Robert und Anette Abendroth haben Freude an der Arbeit, lassen sich von Karl-Walter Bausch die Feinheiten der Apfelproduktion, die vielen Sorten und deren Lagerung erklären.

Strahlshausen. Mit 70 in Rente gehen und dennoch die geliebte Arbeit nicht gänzlich aufgeben müssen, diesen Traum kann sich demnächst Karl-Walter Bausch erfüllen. Der kinderlose Apfelpapst aus Strahlshausen hat Nachfolger für seinen Obsthof gefunden, die wie er mit dem Herzen bei der Sache sind.

Eine sechsköpfige amerikanische Familie mit einem Faible für Landwirtschaft übernimmt mit Beginn des nächsten Geschäftsjahres im Sommer 2013 Haus, Hof und Plantage mit zirka 10 000 Bäumen. Das kam so: Der Architekt Robert Abendroth (53), der Name weist auf deutsche Vorfahren hin, hat beim Studium in Kassel seine aus Uslar stammende Frau Anette (51) kennengelernt, eine Lehrerin. Mit vier zweisprachig erzogenen Kindern sind sie jetzt zurück nach Deutschland gezogen.

Karl-Walter Bausch prüft Qualität und Lagertemperatur. Den Trend zu aromatisch-säuerlichen Sorten hat er rechtzeitig erkannt.

„Agrar hat Zukunft“, sagt Robert Abendroth, in Amerika hatte er schon eigene Streuobstwiesen. Im klassischen Apfelanbaugebiet Altes Land war er schon fast fündig geworden, da ist er durch einen Branchenkenner auf Bauschs aufmerksam geworden.

Besser konnten sie es nicht treffen, erzählt das Ehepaar. Die Kinder haben Karl-Walter Bausch quasi als Opa adoptiert, die Eltern wissen seine Erfahrung zu schätzen und lassen ihn auch so schnell nicht in den Ruhestand ziehen.

Denn er hat ein Händchen für seine Bäume und ein Auge für Entwicklungen. Nach der „schwärzesten und teuersten Nacht meines Lebens“, als am 4./5. Mai 2011 ein Großteil der frühblühenden Apfelbäume erfroren ist, hat Bausch gewusst, „das machen die Bäume nächstes Jahr wieder wett“. Er hat Recht behalten, musste dieses Jahr Blüten und kleine Äste abschneiden, damit die Bäume nicht überlastet werden und sich dünne Äste nicht allzu sehr biegen. Rubinette, Elstar, Boskop und Co. haben es gedankt und eine prima Ernte beschert. Das alles lernen die Abendroths gewissermaßen im Schnelldurchgang und aus erster Hand.

In ihrem Hauptberuf schon Rentnerin, packt Bärbel Bausch im Hofladen mit an, hier beim Kirschenverkauf.

Noch wohnen sie in Northeim, kommen aber täglich nach Strahlshausen. 8500 Apfelbäume auf sieben Hektar plus Kirschen, Holunder, Birnen und Zwetschgen wollen gepflegt und in guten Jahren 200 Tonnen Äpfel in über 20 Sorten fachmännisch und bei drei Grad gelagert werden. Das Erfolgsrezept des Verkaufs ab Hof wird beibehalten wie natürlich auch der Name Bausch, setzen Abendroths ganz auf dessen weithin guten Ruf. Setzen können sie auch auf Tochter Alicia (18), die Obstbau studieren wird und Sohn Alec (15), der bei Bauschs und auf einer fremden Plantage in Niedersachsen Obstbauer lernen möchte.

So ist die Zukunft des Obsthofes, der Anfang der 1960er Jahrenmit Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren und „ein paar Äpfeln“ angefangen hat, gesichert. Karl-Walter und Bärbel Bausch haben sich ein Haus in Reichensachsen gekauft, Abendroths ziehen dann nach Strahlshausen und werden erst mal weiter in die Apfelschule Bausch gehen. Mit einem Hoffest, so ist geplant, wollen sie nächstes Jahr die Übergabe vollziehen.

Vom Helmut Mayer

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