Heute Beatsteaks: Rock mit Berliner Schnauze

Regnet es etwa?“ Es schüttete aus Eimern über dem Werdchen, das bis auf den letzten Platz vor der Hauptbühne gefüllt war. Dampf stieg auf und stachelte das Publikum nur noch weiter an komplett durchzudrehen. Moshpits, Crowdsurfen, Wall of Death, das gesamte Repertoire wurde abgeliefert.

Nie war Regen egaler, als bei diesem Beatsteaks Konzert auf dem Open Flair Festival 2007. Der Auftritt ging in die Festival-Geschichte ein und wird noch heute als einer der Besten überhaupt gehandelt. Seit dem ist mit den Berlinern viel passiert und das Open Flair Festival ist froh, die Berliner endlich wieder zu Gast zu haben: „Wir wollten die Beatsteaks schon in den vergangenen Jahren wieder verpflichten, was aber aus bandtechnischen Gründen nicht klappte, umso mehr freuen wir uns, dass sie in diesem Jahr endlich wieder bei uns sind“, so Veranstalter Alexander Feiertag.

Gegründet wurden die Beatsteaks im Jahr 1995 von Peter Baumann, Bernd Kurtzke und den beiden ehemaligen Mitgliedern Stefan Hircher und Alexander Rosswaag. Kurze Zeit später stieß Arnim Teutoburg-Weiß als Sänger und als Verstärkung an der Gitarre zur Band dazu. „48/49“, das erste Album der Band, erschien zwei Jahre später. 1999 wechselten die Berliner zum amerikanischen Punklabel Epitaph Records und veröffentlichte dort „Launched“. Der heutige Schlagzeuger Thomas Götz ersetzte Stefan Hircher, für Alexander Rosswaag übernahm Torsten Scholz den Bass. Die breite Masse wird 2002 zum ersten Mal auf die Band aufmerksam, als mit „Living Targets“ das Album mit den ersten beiden Singles „Summer“ und „Let me in“ erscheint, die heute immer noch frenetisch bei jeder Show gefeiert werden. Im Vorprogramm der Ärzte und der Toten Hosen erspielt sich das Quintett mit viel Charme eine breite Fanmasse. Mit der Zeile „Wie kannst du bei den Beatsteaks nur ruhig sitzen bleiben, wenn dir doch Schlagersänger Tränen in die Augen treiben“ huldigen sogar die Ärzte im Song „Unrockbar“ der Band und der Name Beatsteaks kommt zum ersten Mal im Mainstream an.

Die Lieder „Hand in Hand“, „Hello Joe“ und „I don’t care as long as you sing“ sorgen in 2004 dafür, dass man an der Band nicht mehr vorbei kommt. Mit ihrem vierten Album „Smack Smash“ schaffen sie den endgültigen Durchbruch und werden vom gehypten Geheimtipp zur Band, die zum ersten Mal alleine große Hallen füllt. Trotz ihrer immer größer werdenden Beliebtheit wahrt sich die Band allerdings die Liebe zu kleinen Club Konzerten, die sie noch heute regelmäßig spielen. Am 7. Juli 2007 spielt die Band zum ersten Mal in der ausverkauften Berliner Wuhlheide ein Konzert vor 17.000 Gästen. Im folgenden Jahr wiederholt die Band diesen Erfolg gleich an zwei Abenden. Nach diesem umjubelten Erfolg und dem Hit Album „Limbo Messiah“ legt die Band eine Pause ein und zieht sich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück um neue Stücke zu schreiben und um etwas zur Ruhe zu kommen. Erst Anfang 2011 meldet sich die Band mit „Boombox“ mit einem Paukenschlag zurück: Zum ersten Mal erklimmen die Beatsteaks die Nummer eins der deutschen Albumcharts.

Was aber macht die Beatsteaks und ihren großen Erfolg aus? Es sind die außergewöhnlichen Live-Konzerte, bei der die Band in jeder einzelnen Show alles gibt. Musikalisch verspielt und dazu sehr charmant präsentieren sich die Fünf auf kleinen wie auf großen Bühnen sehr publikumsnah. Der Ausdruck „Rampensau“ passt wahrscheinlich auf niemanden so perfekt wie auf Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, der aus einer Zirkusfamilie stammt und gerne mal auf Boxentürme oder Emporen klettert um anschließend ins Publikum zu springen oder Handstände auf dem Surfbrett in der Menschenmenge macht.

In diesem Sommer präsentiert sich die Band zum ersten Mal als Sextett: Auf ihrer „Two Drummer Summer“ Tour spielen die Beatsteaks zum ersten Mal mit zwei Schlagzeugern.

Ob es in diesem Jahr beim Beatsteaks Konzert wieder regnen wird? Diese Frage können wir nicht beantworten, aber eins ist sicher: Ob mit oder ohne Regen, die Beatsteaks werden das Eschweger Publikum leicht auf ihre Seite ziehen.

Von Sonja Berg

Beatsteaks: Heute, 22.30 Uhr, hr3-Bühne.

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