Sparkasse überraschte bei Veranstaltung „Von Mensch zu Mensch“ mit Ehrengast

Begegnung mit Genscher

Small Talk: Tief beeindruckt zeigte sich auch Sparkassen-Vorstandschef Frank Nickel (links) von den Ausführungen des ehemaligen Bundesaußenministers.

Eschwege. „Von Mensch zu Mensch, Begegnung unserer Region“, das ist der Name eines Empfangs, zu dem die Sparkasse Werra-Meißner regelmäßig einlädt. Keiner der rund 600 Gäste hätte jedoch erwartet, an diesem Abend einer ganz besonderen Persönlichkeit zu begegnen, bis Hans-Dietrich Genscher den Saal betrat.

Da saß er im Publikum: Hans-Dietrich Genscher (vorne) im Kreise der fast 600 Besucher, zu denen unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich (von links), Martin Klapheck und Landrat Stefan Reuß zählten.

Weder Vorstandschef Frank Nickel noch der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Landrat Stefan Reuß, gaben in ihren Eröffnungsreden einen Hinweis auf den Redner des Abends. „Wir haben vor 24 Jahren etwas ganz Besonderes erlebt, den Mauerfall“, sagte Reuß, betonte dann aber mehrfach, die Spannung aufrecht erhalten zu wollen.

In seiner Rede ging Nickel zunächst auf die Herausforderungen ein, denen sich die Sparkasse angesichts der Finanz- und Eurokrise und auf den deutschen Markt drängender ausländischer Geldinstitute stellen müsse. Als Nickel von Finanzkrise und europäischer Einigung zum Redner des Abends überleitete, war die Überraschung perfekt. Die Gäste erhoben sich spontan und applaudierten dem ehemaligen Bundesaußenminister Genscher.

Dieser lobte dann zunächst den Weg, den Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschritten hat. „Das einige Europa gibt unserem Land heute Gewicht“, sagte Genscher. Wir Deutschen hätten inzwischen gelernt, dass dieser Weg besser sei, als andere dominieren zu wollen, aufgrund dieser Bescheidenheit stünden wir heute so gut da, so der Ex-Minister weiter.

Im Anschluss an seine Rede erzählte Genscher in einem Gespräch mit Martin Klapheck aus seinem bewegten Leben und gewährte den Gästen einen Blick hinter die Kulissen der Weltpolitik, auf der der heute 86-Jährige über Jahrzehnte als Innen-, später als Außenminister gewirkt hatte.

Besonders eindrucksvoll waren Genschers Schilderungen der Geschehnisse um das Attentat von München 1972 und seine Bemühungen, im Sommer 1989 die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der bundesdeutschen Botschaft in Prag zu erreichen. Geradezu privat wurde Genscher, als er von seinen Begegnungen mit Michail Gorbatschow berichtete. Seine persönlichen Zweifel am System der Sowjetunion habe der damalige Staatschef ihm gegenüber nicht verborgen. Um die Situation mit einem Vergleich anschaulich zu machen, sagte Genscher: „Das wäre ungefähr so, als würde der Papst fragen: Warum darf ich nicht heiraten?“

Bilder vom Empfang

Bilder vom Empfang der Sparkasse Werra-Meißner

Tief beeindruckt zeigten sich die Gäste vom Auftritt Genschers. Und getreu dem Wunsch des Sparkassenchefs entwickelten sich Gespräche bis tief in die Nacht – von Mensch zu Mensch eben.

Von Wolfram Skupio

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