Berthold Diegel verlässt den Magistrat und denkt über Gerechtigkeit und die SPD nach

Lieblingsplatz: Auf den Treppenstufen vor der Küche sitzt Berthold Diegel gern mit einem Buch und g enießt den Blick in den Garten. Foto: Sagawe

Berthold Diegel war Stadtrat in Eschwege, davor Stadtverordneter, seit fast zwanzig Jahren in den Gremien der Kreisstadt engagiert. Jetzt zog er sich aus der Kommunalpolitik zurück.

„Ja, aber erheblich“, antwortet Berthold Diegel auf die Frage, ob ihm seine SPD Kopfzerbrechen bereite. Seit fast einem halben Jahrhundert ist Diegel Teil der Partei. Weniger durch das Elternhaus geprägt als vielmehr wegen seines Gerechtigkeitssinnes habe er sich den Genossen angeschlossen.

„Der Staat ist nicht gerecht genug, wir müssen daran etwas ändern“, sagt Diegel. Mit diesem Leitsatz trat er einst der SPD „von Willy Brandt inspiriert“ bei. An den Ursachen des damaligen Ansinnens hat sich aus Sicht Berthold Diegels zu wenig geändert, als dass nicht weiter für mehr Gerechtigkeit eingestanden werden müsste.

„Ich bin nach wie vor in der SPD aktiv, und das wird auch so bleiben“, sagt er. Der 66-Jährige gründete Anfang der 1970er-Jahre gemeinsam mit dem heutigen Ehrenbürgermeister Jürgen Zick die Eschweger Jusos. In den besten Zeiten gehörten der SPD-Nachwuchsorganisation bis zu 50 junge Genossen an. „Wir waren ein Stück weit Utopisten, wir wollten die Welt verändern, wir wollten den Sozialismus“, erinnert sich der Pädagoge.

Diegel, 40 Jahre Fußballer und im Stadtteil Niederhone im Sportverein engagiert, Mitglied und Aktivist der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sah bis zur Pensionierung seine Berufung als Lehrer. Sein Anliegen: stets die starken Schüler dafür zu gewinnen, die schwächeren Kinder zu unterstützen. Das gemeinsame Lernen an der Anne-Frank-Schule war ihm wichtig. „Wir haben viel nach vorn bewegt.“

Das ist ihm auch mit der Verpflichtung der Kultband Rodgau Monotones in den 80er-Jahren zum Sportvereinsjubiläum in Niederhone gelungen. „Wir brauchten 300 Besucher, um kostendeckend zu arbeiten; 4000 sind gekommen“, erinnert Diegel sich und berichtet von einem dicken Plus in der Vereinskasse. Grenzkultur am Leuchtberg war ein weiteres Projekt an dem Diegel beteiligt war, Musik am Marktplatz war seine Idee. „Probleme gibt es seit Helmut Schmidt“, sagt Diegel zum Niedergang seiner Partei. Er befürchtet, dass sich die SPD zwischen zehn und fünfzehn Prozent stabilisieren könnte. „Die Parteienlandschaft ist in Auflösung begriffen“, sagt Diegel. Deutschland stehe noch bevor, was in anderen Ländern schon geschehen sei. „Das bedeutet insgesamt weniger Stabilität.“

Und welcher neue Vorsitzende soll es in der SPD richten? Diegel: „Karl Lauterbach ist sehr sympathisch.“

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