Die Stimmung schwankt: Beschränkungen werden akzeptiert, Verhältnismäßigkeit steht infrage

Der Werra-Meißner-Kreis scheint gut durch die Corona-Krise zu kommen. Knapp 180 Fälle auf 100 000 Einwohner und zwölf Verstorbene, die mit dem Covid-19-Virus infiziert waren, bilden deutschlandweit einen Spitzenplatz.

Der glimpfliche Verlauf wird mit den Kontaktbeschränkungen erklärt. Doch stehen die Menschen sieben Wochen nach dem sogenannten Lockdown noch hinter den Maßnahmen?

Gerade nach der Verpflichtung, im Einzelhandel und öffentlichen Nahverkehr Masken zu tragen, mehren sich die Stimmen derer, die sich bevormundet fühlen. Während Busfahrer und Einzelhändler von einer Akzeptanz der Menschen für die Schutzmaßnahme sprechen, werden in sozialen Medien die Kritiker lauter. Als „Zwang“ schätzt beispielsweise Andrea Bührmann die Maskenpflicht auf unserer Facebook-Seite ein. Die Verhältnismäßigkeit müsse stimmen, schreibt Philip Herold als Reaktion auf unsere Berichterstattung über gesperrte Parkplätze am Wanderweg Hitzelrode und am Werratalsee. Die Sperrungen wurden gestern übrigens aufgehoben.

Udo Fissmann, Inhaber von drei Frisörgeschäften, fühlt sich von der Regierung hingegen gut begleitet. Sein Antrag auf Förderung sei zügig bearbeitet worden, sodass er die Zeit der Schließung überstehen konnte. Er ist dankbar über die Wiedereröffnung der Friseurbetriebe. Aber: „Noch drei, vier Wochen länger hätte ich die Maßnahmen nicht überstehen können.“

Marie Luise Wolff (71), Rentnerin aus Eschwege, akzeptiert die Bedingungen und ist bereit, die Einschränkungen auch noch weiter hinzunehmen: „Für uns ist es absolut erträglich.“ Schade sei, dass man nie Freude treffen könne. „Für mich wäre es wichtiger, dass mehr Menschen getestet werden, um zu wissen, wie die Lage wirklich ist.“ Dunkelziffer und das Gefühl, dass nicht ausreichend getestet werde, beschäftigte viele der Befragten.

Seit Wochen ist der Betrieb im Hotel Kochsberg in Grebendorf zum Erliegen gekommen. Dadurch gehe es um Existenzen, sagt Werraland-Lebenswelten-Geschäftsführer Georg Forchmann. „Wir sind der Meinung, dass auch den Hotelbetreibern zugetraut werden sollte, dass sie sehr gute Lösungen präsentieren, um die Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten.“ Nach den Lockerungen für einige Bereiche würden er diese auch für gastronomische Betriebe begrüßen. 

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