Das "beste Haus am Platze" weicht Verwaltungsgebäude

Früher: Die prächtige Außenfassade des Hotels und Cafés Koch im Jahr 1910 (großes Foto). Der rechte neue Gebäudeteil war erst kurz vorher entstanden, ersetzte ein Gebäude mit Turm. Repro: Furchert

Eschwege. Das ehemalige Schlosshotel an der Forstgasse  in Eschwege gibt es nicht mehr. Große Teile des schon zu Kaisers Zeiten als „bestes Haus am Platze“ in dem sogar Kronprinz Friedrich Wilhelm übernachtete, mussten einem neuen Verwaltungstrakt des Kreises weichen.

Bestes Haus am Platze? Nicht übertrieben! Schon die äußere Fassade des Hotels und Cafés Koch, die eine Postkarte (oben) aus dem Jahr 1910 zeigt, beeindruckte Gäste und Besucher schon um die Jahrhundertwende. Das Hotel, dem auch eine Weinhandlung angegliedert war, warb damals mit diesem Text um Gäste: Hotel Koch Eschwege, verbunden mit vornehmem Café, Elektrisch Licht, Central-Heizung und Telefon (Nr. 17).

Der oben abgebildete rechte Fassadenteil mit dem Hotel-Eingang, den die Abrissbirne verschonte und der in den neuen Verwaltungstrakt integriert wird, entstand um 1900, ersetzte ein älteres Gebäude mit einem Turmbau (großes Foto). Über eine große, nach oben führende innere Freitreppe, die noch bis 2000, als Hotelier Manfred Nacke das Schlosshotel führte, genutzt wurde, gelangten die Gäste in das Restaurant und in die 40 prächtig ausgestatteten Zimmer.

Erst Gasthaus

Ernst Ferdinand Koch (1825-1902), der 1853 nach Eschwege heiratete, eröffnete in der Forstgasse 2 zuerst ein Gasthaus und wenig später das nach ihm benannte Hotel Koch am Schlossplatz. Sein am 21. Juli 1855 geborenen Sohn Eduard Koch stieg sehr bald in das Hotelgeschäft ein, war mit verantwortlich dafür, dass das Hotel Koch bald zum Treffpunkt der Eschweger Prominenz wurde und auch viele prominente Gäste im Hotel abstiegen.

Prominenter Gast

Prominentester Gast war zweifellos der 1831 geborene preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm, Sohn von Kaiser Wilhelm I. Der sehr beliebte und leutselige Kronprinz, der sich auch als Heerführer einen Namen machte („unser Fritz“), besuchte am 7./8. September 1880 Eschwege und „seine“ Schule, das Gymnasium, das ab 1877 schon seinen Namen als „Friedrich-Wilhelm-Schule“ trug. Die Genehmigung zur Führung dieses Namens erteilte Kaiser Wilhelm persönlich. Zur selben Zeit erhielt auch die Friedrich-Wilhelm-Straße ihren Namen.

Dieser einzige Besuch Friedrich Wilhelms in Eschwege hinterließ, wie Historiker Herbert Fritsche im Eschwege Lexikon betont, „viele angenehme Erinnerungen“. Dass der Kronprinz im Hotel Koch übernachtete, daran erinnerte sogar eine Tafel, die erst 1945 von US-Soldaten entfernt und offenbar als Souvenir mitgenommen wurde.

Nach dem Tode seines Vaters Wilhelm I. 1888 regierte Friedrich Wilhelm als Kaiser Friedrich III. allerdings nur 99 Tage: vom 12. März bis 15. Juni. Er verstarb an einem zu spät erkannten Kehlkopfkrebs. Der Plan, in Eschwege ein Friedrich-Wilhelm-Denkmal zu errichten, konnte aus Kostengründen nicht ausgeführt werden.

Jüngere Geschichte

Über die Bewirtschaftung und Nutzung des Hotels Koch in den Jahren vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ist nur wenig bekannt. In den 1950er Jahren betrieb Heinrich Wicke das in Schlosshotel umbenannte Gebäude. 1985 pachtete der stadtbekannte Wirt Manfred Nacke das Schlosshotel, das er bis ins Jahr 2000 bewirtschaftete. Die Pächter-Nachfolger, die das Schlosshotel sanieren wollten, hatten allerdings mit nicht lösbaren Problemen zu kämpfen, die zur Schließung des Hotels führten, das dann einige Jahre leer stand. 2017 rückten die Abrissbagger an, schufen Platz für den Bau der Kreisverwaltung, der nach den ersten Planungen 2019 erstellt sein soll.

Von Siegfried Furchert

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