Betrug bei Schrottabfuhr: Firma um 270 000 Euro gebracht

GÖTTINGEN/Eschwege. Wegen gewerbsmäßigen Betruges mit Hilfe von manipulierten Containern müssen sich seit Montag ein 56-jähriger Kraftfahrer und seine 52-jährige Ehefrau vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Eines ihrer Betriebsgelände befand sich in Eschwege.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, gemeinsam mit zwei bereits verurteilten Mittätern ein Unternehmen aus dem Kreis Göttingen um mehr als 270 000 Euro betrogen zu haben.

Der geschädigte Gewerbebetrieb hatte jahrelang durch die von den Angeklagten betriebenen Metallhandelsfirmen im Landkreis Harburg große Mengen Altmetall von seinen Standorten in Südniedersachsen und Nordhessen abholen lassen. Laut Anklage sollen sie mit Hilfe von präparierten Containern die Wiegeergebnisse manipuliert und deutlich mehr Schrott abgefahren haben, als sie mit ihrem Auftraggeber abrechneten. Die Metalle hätten sie anschließend gewinnbringend veräußert.

Die Polizei war den Abrechnungsbetrügereien nach einer Strafanzeige des Unternehmens auf die Spur gekommen. Ein Zeuge habe zuvor die Firma darauf hingewiesen, dass bei der Schrottabfuhr manipulierte Container eingesetzt würden.

Nachdem sich im Zuge der Ermittlungen der Verdacht erhärtet hatte, entdeckte die Polizei bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion im Oktober 2015 zwei präparierte Container, in deren Boden eine schwere Stahlplatte eingeschweißt war. Diese Container hatten die Angeklagten den Ermittlungen zufolge immer dann eingesetzt, wenn sie erstmals zu einem Betriebsstandort ihres Auftraggebers fuhren. Bei den weiteren Abtransporten sollen sie dann jeweils „normalgewichtige“ Container verwendet haben. Der Trick dabei: Die Lastwagen wurden zumeist nur beim ersten Einsatz auf dem jeweiligen Betriebsgelände im Leerzustand gewogen. Danach wurde der Lkw nur noch im beladenen Zustand gewogen, wenn er das Gelände verließ. Da beim ersten Wiegen aufgrund der präparierten Container ein deutlich höheres Leergewicht gespeichert worden war, wurde die Ladung der danach eingesetzten „normalen“ Container jeweils zu niedrig berechnet.

Bereits im Mai hatte das Landgericht Göttingen in einem ersten Prozess einen 52-jährigen Betreiber einer Metallhandelsfirma zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Betruges in 189 Fällen verurteilt.

In dem jetzigen Prozess muss sich der 56-jährige mutmaßliche Mittäter wegen gewerbsmäßigen Betruges in 74 Fällen verantworten, er soll die Taten zwischen Januar 2011 und Dezember 2013 begangen haben. Seine von ihm in Scheidung lebende Ehefrau ist wegen 25 Taten angeklagt. Zu Beginn des Prozesses unterbreitete die Kammer einen Verständigungsvorschlag, dem sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung zustimmten. Demnach kann der 56-Jährige im Fall eines Geständnisses mit einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren rechnen, die zur Bewährung ausgesetzt würde. Der 56-Jährige räumte sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein. Seine Ehefrau habe dagegen nur die Buchhaltung gemacht und nichts von den Manipulationen gewusst. (pid/nie)

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