Nach dreißig Jahren: Neuseeländischer Polizist besucht Eschweger Ermittler

Betrugsfall in Hessisch Lichtenau macht Ermittler aus Eschwege und Neuseeland zu Freunden

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Spektakulärer Betrugsfall: Über mehrere Wochen füllten die Schlagzeilen über den Kassierer die Zeitungen.

Eschwege/Hessisch Lichtenau– Vor 30 Jahren hielt ein spektakulärer Betrugsfall die Region in Atem. Und sorgte für eine Freundschaft zwischen den Ermittlern, die bis heute hält.

Der Hauptkassierer der Volksbank in Hessisch Lichtenau hatte sich mit 750 000 D-Mark Bargeld und zahlreichen Wertpapieren, Schecks und Devisen aus dem Staub gemacht. Lange war er nicht auf der Flucht. Fünf Tage später wurde er geschnappt – allerdings in Neuseeland. Ein neuseeländischer Ermittler brachte den Flüchtigen im Winter 1988/1989 zurück nach Deutschland. Jetzt – 30 Jahre später – kommt Patrick Handcook zurück nach Eschwege, um mit alten Kollegen über den Fall zu sprechen.

Mit internationalem Haftbefehl gesucht

Rudolf Metz, damals Amtsgerichtsdirektor in Witzenhausen, erinnert sich an den Fall. „Selten habe ich gegen so einen netten und pflegeleichten Menschen einen Haftbefehl ausgestellt.“ Zu Schaden gekommen ist bei dem Kapitalverbrechen niemand. An einem Wochenende hatte der damals 34-jährige Kassierer den Tresor der Bank leer geräumt. Mit Verzögerung wurde gefahndet. Über Zürich und Hongkong hatte sich der Mann nach Neuseeland abgesetzt. Aber schon am Flughafen in Auckland war seine Flucht fünf Tage später beendet. Dem Zoll war aufgefallen, dass der Mann mit zwei Pässen und 150 000 D-Mark Bargeld reiste. Eine Überprüfung bestätigte den Verdacht. Gegen den Kasseler lag ein internationaler Haftbefehl vor.

Interpol in Wellington und Wiesbaden organisierten die Auslieferung des Mannes. Drei Wochen später kam er wieder in Deutschland an. Seine freiwillige Rückkehr begleitete Detectiv Sergeant Patrick Handcook.

Der damals 32-jährige neuseeländische Polizist unterstützte die Beamten in Eschwege bei der Aufklärung des Falles. Und auch der Täter war geständig. Der damals 34-jährige Kassierer hatte vor seiner Flucht ein Bekennerschreiben im Tresor der Bank hinterlassen. Damit schützte er Kollegen, prangerte aber auch an, dass er in seiner 18-jährigen Dienstzeit oft gedemütigt worden sei. Den damaligen Ermittlungen zufolge hatte der Mann die Bank um rund 1,2 Millionen D-Mark gebracht, die er teilweise auf ein Schweizer Konto transferiert hatte.

Freundschaft zwischen Handcook und Eschweger Ermittlern

Ein Großteil des Geldes ist wieder aufgetaucht. Am Ende fehlten wohl nur wenige Tausend Mark. Im Prozess vor dem Landgericht Kassel wurde der heute 64-Jährige zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zwischen dem neuseeländischen Polizisten Patrick Handcook und den Eschweger Kollegen entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis. Besonders zu Thomas Lückert pflegte er eine Beziehung. Lückert besuchte Handcook auch in Neuseeland.

Am 30. April treffen sich jetzt alle in der Polizeistation in Eschwege wieder. Die Kollegen des Eschweger Betrugsdezernats, dessen größter Fall es damals war, kommen noch einmal zusammen. Neben Lückert und Handcook sind unter anderem auch Charly Montag, Hans-Joachim Biegel und Richter Rudolf Metz eingeladen. Nur der Täter wird trotz seiner damaligen Kooperation nicht erscheinen.

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