Bewährung für den Glaswerfer: Angeklagter muss 6000 Euro an Schüler zahlen

Eschwege. Ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung lautete das Urteil, das ein 24-Jähriger am Freitag Vormittag im Amtsgericht erhalten hat. Er soll einem 17-Jährigen ein Longdrink-Glas am 25. November 2012 in der Eschweger Disko „Mausefalle“ ins Gesicht geworfen haben.

Zu Anfang des Verfahrens wurden noch zwei Zeugen gehört. Der erste Zeuge hatte von der Tat nach eigenen Aussagen nichts mitbekommen und konnte. Er berichtete, dass es Wochen nach der Tat eine Auseinandersetzung mit dem Bruder des Geschädigten und weiteren Beteiligten gab, wobei der Vater des Geschädigten lautstark in die Runde gefragt habe, wer denn nun das Glas geworfen habe.

Als zweiter Zeuge wurde erneut ein 23-jähriger Mann vorgeladen, der diese Woche eine Selbstanzeige bei der Polizei aufgegeben hatte. Er gestand vor Gericht, das Glas geworfen zu haben. Nach einer Schubserei hätte er das Glas in die Richtung des Geschädigten geworfen. Richterin Sprenger konnte dieser Aussage keinem Glauben schenken. „Hat der Angeklagte Ihnen für diese Aussage Geld bezahlt? Schulden Sie ihm noch etwas?“, fragte die Richterin den Zeugen. Der 23-Jährige blieb bei seiner Aussage und gab an, dass er vom Angeklagten kein Geld bekommen habe.

Der Geschädigte wurde gestern Vormittag noch einmal in den Zeugenstand gehoben. Er gab an, dass er zu einhundert Prozent gesehen habe, dass der 24-jährige Angeklagte ihm das Glas ins Gesicht geworfen habe und der 23-jährige Zeuge überhaupt nicht am Geschehen beteiligt gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft beantragte das Verfahren wegen des Glaswurfs einzustellen, den Angeklagten jedoch wegen der Kopfnuss, die er am Anfang des Prozesses eingeräumt hatte, zu vierzig Tagessätzen à 40 Euro zu verurteilen. „Man fühlt sich an Trash-TV erinnert“, meinte der Staatsanwalt im Bezug auf das langwierige Verfahren mit unterschiedlichen Zeugenaussagen.

Der Anwalt des Geschädigten betonte, dass seiner Meinung nach der 24-jährige Angeklagte der Täter sei. Als Motiv benannte er die Eifersucht des 24-Jährigen. Der Geschädigte hatte mit der damaligen Freundin des Angeklagten an dem Tatabend getanzt gehabt. Der Verteidiger des 24-Jährigen forderte einen Freispruch für den Angeklagten und eine Geldstrafe für die gegebene Kopfnuss von 20 Tagessätzen.

Das Gericht zog sich für fünfzig Minuten zur Beratung zurück. Neben dem Urteil von einem Jahr und neun Monaten wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung auf Bewährung muss der Angeklagte 6000 Euro zur Schadenswiedergutmachung an den 17-jährigen Schüler zahlen. Das Gericht stützte sein Urteil zum größten Teil auf die Aussage des Geschädigten, der gesehen habe, dass der Angeklagte das Glas geworfen habe. Als Motiv wurde die Eifersucht des Angeklagten als Anlass und Grund der Tat benannt. Sprenger verwies darauf, dass Rechtsmittel eingereicht werden können.

Von Franziska Kiele

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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