Bewährungsstrafe: Armenier schleust Schwarzarbeiter für Betrieb aus dem Kreis ein

Eschwege. Ein 48-jähriger Armenier hat für einen Malerbetrieb im Werra-Meißner-Kreis billige Schwarzarbeiter mit gefälschten Papieren aus Moldawien und Ukraine illegal eingeschleust. Die hätten hier gar keiner Erwerbstätigkeit nachgehen dürfen. Das sah Amtsgerichtsdirektor Dr. Alexander Wachter heute als erwiesen an und verurteilte den Mann, der seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft saß, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr – ausgesetzt zur Bewährung.

Auf das Strafmaß einigten sich eingangs schon Richter, Staatsanwalt und Verteidiger in einer Absprache. Die hatte aber die Maßgabe, dass sich der zuletzt in Kassel wohnende Armenier glaubhaft schuldig bekennt. Das gestaltete sich etwas langwierig, klappte aber letzten Endes.

Er gab zu, einst selbst für die betreffende Maler- und Putzerfirma gearbeitet zu haben. Wegen eines Herzinfarktes ging das dann nicht mehr. Sein ehemaliger Chef habe ihn später angesprochen, ob er wegen seiner Auslandskontakte nicht günstige Arbeitskräfte aus Osteuropa besorgen könne. Das tat er. In er Verhandlung gestern wurde er schuldig gesprochen, drei solcher Schwarzarbeiter aus Moldawien und der Ukraine vermittelt zu haben. Insgesamt seien es zwischen 2015 und 2018 aber wohl um die 30 gewesen, sagte der Täter. Teilweise sprach er Bekannte an, in wenigstens einem Fall nahm er als Hilfsmittel eine Internetbörse für Arbeitswillige in Moldawien zur Hilfe.

In der Anklageschrift wurde dem Angeklagten ursprünglich zur Last gelegt, einmal auch einen Ausweis gefälscht zu haben, dafür gab es aber keine Anhaltspunkte. Ebenso konnte nicht geklärt werden, wie viel Geld er für die Vermittler-Tätigkeit erhalten hat. „Mal 30, mal 50, mal 100, mal 200 Euro“, erzählte er. Meistens seien nur Ausgaben für Transport oder Dolmetschen gedeckt worden. Das versprochene Honorar habe er nie bekommen. 

Strafverfahren gegen Malerfirma eingeleitet

Die Ermittlungsergebnisse hinsichtlich des armenischen Schleusers beruhen auf Routinekontrollen der Bundespolizei im deutsch-polnischen Grenzgebiet. Der Angeklagte wurde am 13. Juni 2018 festgenommen und befand sich seitdem in Untersuchungshaft. Gegen die Inhaber des ebenfalls durchsuchten Maler- und Putzbetriebes wurde ein separates Ermittlungsverfahren eingeleitet. Denn die sollen den verurteilten Mann gezielt angesprochen und um die Vermittlung der illegalen Schwarzarbeiter gebeten haben. Auch hätten sie ihm, so die Ausführungen des Armeniers, Honorar für seine Dienste versprochen. Das sei aber nur sporadisch gezahlt worden oder komplett ausgeblieben. „Er hat immer rumgeweint, dass er kein Geld hat. Ich dachte, er ist ein Kumpel, und ich kriege die Bezahlung später noch.“

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