Mann aus Werra-Meißner-Kreis hatte Spielsucht

34.500 Euro von Kunden gestohlen: Ex-Mitarbeiter einer Kasseler Bank verurteilt

Ein 53-jähriger ehemaliger Angestellter einer Kasseler Bank hat von vier Kunden-Sparkonten insgesamt 34.500 Euro an sich überwiesen und wurde dafür nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Wegen gewerbsmäßiger Untreue in neun Fällen verurteilte das Schöffengericht von Amtsrichterin Ariane Hahn den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Verheiratet, zwei Kinder, Bankkaufmann, Angestellter einer großen Kasseler Bank und dort Kundenberater für die Privatkunden: Das alles ergab so ziemlich das Idealbild einer geordneten, bürgerlichen Existenz. Das Bild hatte allerdings einen Makel: die Spielsucht.

„Ich habe mein ganzes Leben mit Finanzen zu tun gehabt“, sagte der Angeklagte gestern. Mit Termingeschäften und Optionsscheinen zockte er ungezügelt an der Börse – und verlor.

Um die sich auftuenden finanziellen Löcher im Familienbudget zu stopfen, überwies er sich im Dezember 2015 erstmals 3000 Euro vom Sparkonto einer Kundin aufs eigene Konto.

„Ich dachte, da wird es nicht so schnell bemerkt und ich kann es bald wieder zurückzahlen“, schilderte der voll geständige Mann den Beginn seiner kurzen kriminellen Karriere. Natürlich klappte das nicht. Bis Mai 2016 holte er sich noch acht weitere Male Beträge zwischen 3000 und 6000 Euro von den Konten seiner Kunden. Dann wurde ihm wohl selbst klar, dass das so nicht weitergehen konnte. Er kündigte seinen Job bei der Bank.

„Sie haben selbst die Reißleine gezogen und wollten nicht länger an den Sparstrumpf ihrer Kunden gehen“, formulierte Richterin Hahn dieses Verhalten in ihrer Urteilsbegründung.

Der 53-Jährige meldete sich selbst bei einem Suchtkrankenhaus in Eschwege, wurde in die Psychiatrie eingewiesen, absolviert bis heute verschiedene Therapien gegen seine krankhafte Spielsucht. Vor Gericht zeigte er sich glaubhaft reumütig, beschönigte nichts und schilderte auch seine Bemühungen, die 34.500 Euro in Raten von 50 oder 100 Euro zurückzuzahlen.

Das fällt schwer, der Angeklagte hat inzwischen eine vergleichsweise gering bezahlte Arbeit und zwei Kinder in der Ausbildung.

Erstaunliche Erkenntnis von Verteidiger Dieter Keseberg: „Die Versicherung der Bank hatte gar kein Interesse daran.“ Sich über viele Jahre um die Rückzahlung dieser für die Versicherung eher kleinen Summe zu kümmern, sei wohl unwirtschaftlich.

Gleichwohl muss der Mann das ergaunerte Geld zurückzahlen. Aber zumindest ins Gefängnis muss er nicht.

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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