14-Jährige am Johannisfest zu Sex gezwungen

Bewährungsstrafe für Vergewaltiger

Eschwege. Ein Jahr zur Bewährung, so lautet das Urteil gegen einen 27-jährigen Mann aus Frankenberg. Der gebürtige Rumäne hatte gestanden, während des Eschweger Johannisfest im Juni eine 14-Jährige am Stadtbahnhof in Eschwege vergewaltigt zu haben.

„Dass Sie sich heute so geständig zeigten und damit der 14-Jährigen die Aussage ersparten, rechnet ihnen das Gericht hoch an“, sagte die Vorsitzende Richterin Sprenger.

Der 27-Jährige hatte ohne Umschweife zugegeben, dass er sich mit der 14-Jährigen aus dem Raum Heidelberg am Stadtbahnhof verabredet hatte, es zunächst zu einvernehmlichen Küssen kam und er dann, obwohl sie mehrfach darum bat, er möge aufhören, dennoch zweimal in sie eingedrungen sei. Lediglich den Vorwurf, sie hätte ihn zurückgestoßen, wies der Angeklagte von sich. „Sie hat mich nur gekitzelt“, sagte er.

Für das Jugendschöffengericht stand fest, dass es sich hier nicht um eine „klassische“ Vergewaltigung handelte. „Der Angeklagte hat das Mädchen nicht unerwartet in ein Gebüsch gezerrt und sich an ihr vergangen“, sagte Richterin Sprenger. Im Gegenteil: Die beiden haben eine gemeinsame Vorgeschichte. Kennengelernt haben sich der Frankenberger, der damals noch als Schausteller in ganz Deutschland unterwegs war, und die 14-Jährige auf einer Kirmes in ihrem Heimatort bei Heidelberg. Es entwickelte sich gegenseitiges Interesse, Telefonnummern wurden ausgetauscht und der Kontakt über den Facebook-Account einer Freundin der 14-Jährigen aufrechterhalten. Zweimal reiste die Heidelbergerin dem Schausteller hinterher, später wurden sogar Nacktfotos und Videos ausgetauscht.

Und genau diese Vorgeschichte führte zu dem milden Urteil. Dennoch, sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin betonten, dass, egal welche Avancen die Jugendliche dem Angeklagten gemacht habe, sie vor dem eigentlichen Geschlechtsakt deutlich darum bat, er möge aufhören. „Der Vorwurf der Vergewaltigung bestätigt sich in jedem Fall“, sagte Sprenger.

Dank des umfassenden Geständnisses sahen sich Staatsanwaltschaft, Richterin und auch Verteidigung in der Lage, auf die Vernehmung der Jugendlichen und ihres Vaters zu verzichten. „Damit konnten wir dem Mädchen eine hochpeinliche Befragung vor den Eltern und dem Angeklagten ersparen“, sagte Sprenger. Das milde Urteil begründete sie zudem mit der sehr guten Sozialprognose. Denn der Angeklagte sei mittlerweile in Frankenberg sesshaft geworden, habe eine feste Stelle als Produktionshelfer und eine altersgemäße Freundin.

„Ich gehe davon aus, dass Sie nicht mehr straffällig werden“, sagte Sprenger. Da nickte der 27-Jährige nur noch.

Von Diana Rissmann

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