Im Werra-Meißner-Kreis sind derzeit alle Eltern mit Kindern unter drei Jahren versorgt

U3-Rechtsanspruch: Bislang gab es keine Klagen

Familie und Arbeit vereinbaren: Sarah Quade aus Bischhausen ist vierfache Mutter und hat zudem noch drei Tageskinder. Sie wollte Familienleben und Arbeit zusammenbringen und liebt den Umgang mit Kindern, wie ihrem Tagespflegekind. „Die Kinder profitieren von der familiennahen Betreuung“.

Eschwege. Seit zwei Wochen haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Während es in den ersten Städten bereits Klagen von Eltern gibt, konnte bislang im Werra-Meißner-Kreis alles gütlich geregelt werden. „Bei Problemen bearbeiten wir jeden Einzelfall, bis wir gemeinsam mit den Eltern eine Lösung gefunden haben“, erklärt Ilona Friedrich, Leiterin des Jugendamtes.

Lebensmodell Tagespflege: Birgit Junghans ist vom Beruf Erzieherin und seit über 20 Jahren in der Tagespflege aktiv. Sie ist aus dem Beruf ausgestiegen, als sie selbst in der Familienphase war und ist damals in die Tagespflege eingestiegen. Diesen Schritt hat sie nie bereut: „Für mich ist die Tagespflege das bessere Modell.“

Eines der ersten Urteile zum Thema Rechtsanspruch ist derweil in Münster gefallen und stärkt der Tagespflege den Rücken, die einer Betreuung in der Kita gleichgesetzt wurde. „Eltern können auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihre ein- oder zweijährigen Kinder auf einen Tagespflegeplatz verwiesen werden“, heißt es in der Begründung der Richter am Oberverwaltungsgericht Münster. Dieses Urteil begrüßt man auch im Werra-Meißner-Kreis, wo erst jüngst die Tagespflege auf neue Füße gehoben wurde. „Eltern zahlen für die Tagespflege nun einen Beitrag, wie für die Kita“, sagt Friedrich. Damit wird die Wahlfreiheit für Eltern gestärkt, die oft auf einen teureren Tagespflegeplatz verzichtet hätten. Aber auch für die Tagesmütter hat sich einiges getan, da diese nun etwas mehr Geld bekommen und unter anderem bei Krankheit und im Urlaub weiterbezahlt werden.

Einer von Fünf Tagesvätern Kreis: Frank Nölke aus Grebendorf kümmert sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Sonja Kabacinski um Tagespflegekinder. Er findet, dass die Kinder nicht nur gut umsorgt werden müssen, sondern auch unbedingt eine männliche Bezugsperson brauchen. Hier hat er gerade Tagespflegekind Leonie auf dem Schoß. Fotos: Rissmann

56 Tagesmütter und fünf Tagesväter kümmern sich derzeit im gesamten Kreisgebiet um 107 Kinder, wobei etwa ein Drittel der Kinder über drei Jahren sind. „Betreuung in den Randzeiten spielt auch bei Kita- und jüngeren Schulkindern eine wichtige Rolle“, sagt Friedrich. Mit dem Ausbau der U-3-Betreuung sei die Nachfrage an ´Tagespflegeplätzen zwar etwas zurückgegangen, dennoch herrsche derzeit ein Mangel an Tagesmüttern. „Wir suchen dringend“, erklärt Diana Osterburg von der Kindertagespflege Werra-Meißner. Für sie ist die Tagespflege eine Herzensangelegenheit.

Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie eine Elternumfrage gemacht bei der sich herausgestellt hat, dass zwei Punkte den Eltern bei der Tagespflege besonders wichtig sind: Die Qualifikation und Flexibilität. Die Qualifizierung sei kein Problem, erläuterte Osterburg, da habe man in den vergangenen Jahren einiges getan. „2011 und 2012 wurden wir mit dem Gütesiegel für Tagespflege vom Bundesfamilienministerium ausgezeichnet“, sagt sie. Beim Thema Flexibilität hingegen müssten Eltern auch Einschränkungen in Kauf nehmen, denn „Tagespflegefamilien sind ja auch Familien.“ Da werde es in den späten und ganz frühen Randzeiten schwierig, sagt Osterburg.

Von Diana Rissmann

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