Heimische Händler sehen Bon-Pflicht mit gemischten Gefühlen entgegen

Viel Gegenwind gab es für das Bundesfinanzministerium: Das führt zum 1. Januar die Kassenbonpflicht ein. Die heimischen Händler sehen die Neuerung mit gemischten Gefühlen entgegen.

Das Finanzministerium will so mit einer „verstärkten Transparenz“ dem Steuerbetrug Einhalt gebieten.

Viele Einzelhändler sehen das Vorhaben kritisch. So werde es zusätzlich Zeit und Geld kosten. Außerdem gebe es eine höhere Belastung für die Umwelt durch mehr Müll. „Wer demnächst etwas einkauft, und seien es nur zwei Brötchen für 70 Cent, bekommt einen Bon“, erklärt Bettina Träbing von der Bäckerei Bretthauer in Witzenhausen. Sie befürchtet, dass viele Kunden die Bons einfach auf die Straße werfen werden: „Ich sehe oft, dass Kunden vor dem Laden die Brötchentüten wegschmeißen. Das werden sie auch mit den Bons tun.“ Außerdem rechnet sie damit, dass Kunden künftig länger anstehen müssen, weil es einen Moment dauere, bis ein Bon gedruckt und übergeben sei.

Andere Einzelhändler sehen in der Bonpflicht kein Problem. „Wir drucken sowieso immer einen Bon und legen ihn den Kunden in die Tüte“, sagt Anja Wieditz, Verkäuferin in der Fleischerei Beck in Eschwege. Auch Arafat Türe, Inhaber des „Eurodöners“ in Witzenhausen, meint: „Wir müssen die Bons sowieso für den Steuerberater ausdrucken.“ Er findet sogar Gefallen an der Bonpflicht. „Ich weiß von anderen, die keine Bons drucken. Da landet schon mal was von der Steuer in der eigenen Tasche“, sagt er.

Einzelhändler, die noch nicht mit Kassen ausgerüstet sind, die den Anforderungen der Bonpflicht entsprechen, müssen bis spätestens Ende September nächsten Jahres aufrüsten. Bis dahin räumt ihnen das Finanzministerium noch eine Übergangsfrist ein. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) müssen diese Einzelhändler mit Kosten zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse rechnen. Der HDE meint außerdem, dass schon die Umstellung auf das neue Kassensystem genüge, da sich beim ersten Tastendruck eine Transaktion in Gang setze, die nicht mehr ohne Spuren zu löschen sei.

Wollen Einzelhändler eine Bonflut vermeiden, können sie die Bons auch per E-Mail oder auf das Handy des Kunden zustellen. Die Bonpflicht sei laut Finanzministerium „bewusst technologie-neutral“. Außerdem können Einzelhändler in Härtefällen von der Bonpflicht befreit werden. Wann dies der Fall ist, entscheidet das Finanzministerium. 

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