Angst um den Wald steigt

Borkenkäfer: Geld für Schadensbeseitigung im Werra-Meißner-Kreis wird knapp

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Wie soll es weitergehen? Revierförster Hans-Ulrich Henschke, Forstamtsleiter Matthias Dumm und Dieter Müller, Vorstand Waldinteressenten Witzenhausen, beraten, wie die Ausbreitung des Borkenkäfers eingedämmt werden kann.

Die dramatischen Folgen von Orkantief Friederike, die Trockenheit 2018 und die aktuelle Borkenkäferplage machen vor allem Privatwaldbesitzern im Werra-Meißner-Kreis zu schaffen.

Ihnen fehlt mittlerweile das Geld, um Schäden in Fichtenbeständen beseitigen zu lassen. Das bestätigt Hubertus Roeder (Wanfried) von Diersburg vom Hessischen Waldbesitzerverband.

Das könnte auch Auswirkungen auf andere Waldnutzer haben: Im schlimmsten Fall müssen Waldgebiete gesperrt werden, weil die abgestorbenen Bäume eine Gefahr darstellen, warnen die Forstämter aus Hessisch Lichtenau und Wehretal. Um das und das weitere Ausbreiten des Borkenkäfers zu verhindern, wird viel mehr Holz eingeschlagen als sonst – laut Waldbesitzerverband das Zwei- bis Dreifache der üblichen Jahresmenge.

„Gerade die Kleinprivatwaldbesitzer sind oft hilflos, da sie wenig bis keine Kapazität haben, das Schadholz aufzuarbeiten“, sagt Roeder. Der Einsatz von Holzerntemaschinen ist teuer. Zugleich bleiben Einnahmen aus, da durch das Überangebot der Preis für Fichtenholz von 90 auf 42 Euro pro Festmeter gefallen ist, sagt Matthias Dumm, Forstamtsleiter in Hessisch Lichtenau.

Geld für Sanierung fehlt

Die Kosten für die Aufarbeitung übersteigen die Erlöse. Für die Sanierung der durch die schweren Maschinen beschädigten Wege sowie für Neuanpflanzungen sei kein Geld mehr da.

Der Waldbesitzerverband fordert Soforthilfen von Bund und Land: „25 Mio. Euro für fünf Jahre von Bundeslandwirtschaftministerin Klöckner reicht nicht ansatzweise.“ Das Land Hessen habe 2018 insgesamt 3,51 Mio. Euro Fördermittel für die Aufarbeitung der Sturmschäden bezahlt, teilt das Umweltministerium mit.

Pauschal seien bei nachgewiesenen Schäden drei Euro pro Festmeter gezahlt worden. Aktuell arbeite das Ministerium an einer neuen Förderrichtlinie, um die Folgen von Extremwetterereignissen abmildern zu können. Aktuell stünde den Waldbesitzern ein Fördervolumen von sieben Mio. Euro jährlich aus Töpfen von EU, Bund und Land zur Verfügung.

Schädling sitzt unter der Rinde: Revierförster Hans-Ulrich Henschke zeigt Larven und Fraßgänge des Borkenkäfers an einem Stück Rinde einer frisch gefällten Fichte im Sandwald bei Witzenhausen.

Interessenten betreuen eigene Waldstücke

Das Forstamt Hessisch Lichtenau betreut 7000 Hektar Privat- und Kommunalwald, das Forstamt Wehretal 8100 Hektar. Dazu gehören auch Interessentenwälder – ein genossenschaftliches Relikt früherer Zeiten, als jedem Herdbesitzer der Stadt ein Waldanteil zugeteilt war. Kein Interessent darf auf eigene Faust hier Holz schlagen, die Bewirtschaftung erfolgt nur gemeinsam. Laut Hessen Forst gibt es in Hessen 370 Gemeinschaftswälder (35.000 Hektar) mit 17.000 Anteilseignern.

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